Tag 16

Tag 16
Das "Ufer" ist die Gletscherkante des Tasman Gletschers. Sowohl auf dem Foto als auch in Realität sind die Dimensionen nur schwer einzuordnen. Die Kante ist 30 Meter hoch, wirkt aber deutlich niedriger weil alle Gipfel im Hintergrund zwischen 2000 und 3000 Meter über dem See liegen.

Oder eher Tag 15 Nachtrag.

Wie gestern angekündigt gab es um 23:30 eine von Astronomen begleitete Sternenbeobachtung.

Fotos gibt es keine, da meine Kameras nicht dafür geeignet sind. Außerdem ist heute Vollmond und damit gestern Abend ein sehr heller Nachthimmel.

Durch die Magie eines 15.000 Dollar (ich vermute NZD) Spiegelteleskops erhielten wir (ca. 20 Personen) über einen Zeitraum von zwei Stunden Einblicke in den Nachthimmel die mit freiem Auge nicht möglich sind.

So gab es mehrere Sternen-Cluster zu bestaunen, Ansammlungen von tausenden bis Millionen von Sternen, die ohne Teleskop entweder nicht oder nur als fahler Punkt am Rande der Wahrnehmungsschwelle sichtbar sind.

Beeindruckend war auch, dass Alpha Centauri, unser nächstgelegenes Sternensystem nach der Sonne, einer der beiden "Zeiger-Sterne" die den zum Kreuz des Südens weisen, eigentlich ein Triple-Sternensystem von dem aber nur zwei gut zu erkennen sind, sich mit dem Teleskop als zwei separate Sterne ausmachen ließen.

Damit ist mein innerer Astronomie-Nerd auch schon wieder fertig.

Weiter mit Tag 16. Wenn ich dem heutigen Tag eine Bezeichnung geben müsste wäre diese "Tag der spontanen Entscheidungen".

Spontane Entscheidung 1: Ich entschied mich kurzfristig bei einer Gletscher-Bootstour mitzumachen, die vom Hotel im Aoraki/Mount Cook Nationalpark angeboten wird.

Nach einer kurzen Busfahrt und einem nicht viel längeren Fußmarsch erreichte die Reisegruppe (ca. 40 Personen) die Bootsanlegestelle am Tasman Lake. Dort wurden wir auf vier Boote aufgeteilt.

Frisch aus dem Wasser gefischtes Gletschereis

Unser Skipper, Lina, erzählte und zeigte uns im Verlauf von zwei Stunden viel Interessantes rund um den Tasman Gletscher, das Tasman Valley und die Geschichte der Region.

Heute ist der Tasman Gletscher (benannt nach dem niederländischen Entdecker Abel Tasman, namensgebend für Tasmanien, die Tasman See, den Abel Tasman Nationalpark im Norden der Südinsel und den schon genannten Gletscher und das Tal) mit etwa 30 km Länge der längeste Gletscher der Südalpen.

In der letzten Eiszeit, vor etwa 18.000 Jahren waren der Tasman Gletscher und der benachbarte Hooker Gletscher eine gemeinsame Eismasse mit einer Gesamtlänge von 200 km.

Gut erkennbar welche Ausmaße der Gletscher früher hatte. Die Linie hier liegt etwa 150 Meter über dem See. Allerdings ist die gesamte sichtbare Hügelkette mit etwa 300 Metern Höhe die Gletschermoräne aus der Eiszeit.

Vor etwa 10.000 Jahre ist die gemeinsame Eismasse so weit geschmolzen, dass sich zwei separate Gletscher jeweils in einem eigenen Tal ergaben.

Gleiches gilt für die andere Seite nur, dass hier zwischen "neuer" und Eiszeit-Moräne ein Fluss fließt.

Nun leider zu den weniger schönen Aspekten rund um Gletscher. Die Boots-Tour die ich heute mitmachen durfte war bis vor etwa 40 Jahren nicht möglich, da es den Tasman Lake (heute ist dieser See von der Gletscherkante bis zum gegenüber liegenden Ufer 7 km lang) damals noch nicht gab und stattdessen das Tal komplett mit Eis gefüllt war.

Immer daran denken. Eisberge haben eine 1:9 Regel was man sieht vs. was unter Wasser verborgen bleibt.

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen schrumpft der Gletscher pro Jahr um knapp 150 Meter und aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass Aoraki/Mount Cook in den nächsten 100 Jahren beide Gletscher an den Klimawandel verlieren wird.

Nach diesem spannenden und informativen Ausflug ging es weiter zur nächsten Station meiner Reise, Queenstown.

Queenstown ist mit seinen knapp 28.000 Einwohnern die Ausflugs- und Urlaubsdestination innerhalb Neuseelands. Wenn ich böse wäre könnte ich es als die Touristenfalle Neuseelands beschreiben. Das wäre aber zu weit gegriffen. Man kann von hier aus alles erdenkliche unternehmen aber es kostet auch gut Geld.
Nach allen Bewertungen und Rezensionen die ich gelesen habe steht dahinter aber auch gute Leistung.

Heute ist allerdings nur der erste von zwei Aufenthalten in Queenstown, da es morgen schon wieder weiter geht. Womit wir schlussendlich wieder bei spontanen Entscheidungen landen.

Spontane Entscheidung 2: Der ursprüngliche Plan war es von Queenstown aus nach Te Anau zu fahren, dort ein paar Aktivitäten zu machen und dann über Invercargill (die südlichste Stadt auf der Südinsel) und Dunedin zurück nach Queenstown zu fahren.

Bis Te Anau bleibt der Plan auch unverändert. Danach habe ich mich aber entschieden Invercargill und Dunedin zu streichen um mir knapp 900 km Fahrerei zu ersparen. Bis auf Landschaft und Vibes hatte ich ohnehin nichts an Aktivitäten für die beiden Stopps eingeplant.

Stattdessen werden aus zwei Tagen ausspannen und auf den Rückflug vorbereiten nun vier Tage in Queenstown.

Jetzt aber ab ins Bett. Aufgrund des gestrigen Spätprogrammes bin ich erst um 2:00 Ihr ins Bett gekommen.

P.S. kurze Vorwarnung, Tag 18 wird vermutlich mit Tag 19 kombiniert. Hintergründe gibts wenn es so weit ist.