Tag 17

Tag 17

Analog zu gestern, dem Tag der kurzfristigen Entscheidungen rufe ich für heute den Tag der falschen Namen aus. Mehr dazu weiter unten.

Heute ging es in der Früh von Queenstown aus weiter Richtung Süden nach Te Anau, einem gemütlichen 3000 Einwohner Ort gelegen am kreativ benannten Lake Te Anau.

Letzterer ist mit etwas über 300 km² der größte See auf der Südinsel und, nach Lake Taupo, der zweigrößte See Neuseelands. Nach seinem Volumen ist es aber das größte Süßwasser-Vorkommen in Australasien (en: Australasia, ein Begriff für Australien, Neuseeland, Papua Neuguinea und die ganzen Inseln die sich noch rund herum finden.

Noch bevor es ins Hotel ging hieß es ab an den See für den ersten Ausflug. Ähnlich wie in Waitomo gibt es auch hier in Te Anau eine Glowworm Cave.

Anders als in Waitomo wo in den Höhlen meterhohe Stalagmiten und Stalagtiten seit mehreren zehntausenden Jahren wachsen sind die Höhlen in Te Anau vergleichsweise Jung. Unser Guide verwies uns auf den "längsten" Stalagtit nahe des Höhleneingangs der seit etwa 400 Jahren wächst und ca. drei cm lang ist.

Ebenfalls anders als in Waitomo ist, der Lärmpegel. Während das Wasser in Waitomo in den zugänglichen Bereichen ruhig dahin fließt und sich in großen Becken sammelt zeichnet sich die Te Anau Höhle durch mehrere Wasserfälle aus, die im gesamten zugänglichen Höhlensystem für ein beachtliches Tosen sorgen.

Damit sind wir auch schon bei der ersten Namensanomalie angelangt. Dabei handelt es sich nicht um eine falsche Benennung sondern um einen Fall verlorenen Wissens.

Te Anau als Maori Bezeichnung für die gesamte Region bedeutet ungefähr übersetzt Höhle des tosenden Wassers. Das und andere Überlieferungen belegt, dass ein früherer Maori Stamm aus dieser Region von der Höhle und den Wasserfällen wusste und sie als die bezeichnende Eigenschaft der Region auswählte.

So weit es sich durch historische Belege nachverfolgen lässt wurde dieser Maori Stamm aber durch Kämpfe mit anderen Stämmen aus der Region vertrieben. Das Wissen um den genauen Ort der Höhle ging dadurch für etwa 300 Jahre verloren, Der Name blieb allerdings erhalten.

1948 wurde die Höhle nach vielen gescheiterten Expeditionen wiederentdeckt und 1954 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Besuch der Höhle funktioniert nach dem gleichen Muster wie auch in Waitomo. Nach einem kurzen Einstieg in die Höhle während dessen man sich langsam an die dunkle Umgebung gewöhnen kann geht es mit einem Boot in kompletter Finsternis in den Teil der Höhle mit den leuchtenden Würmern. Das Boot wird dabei ebenfalls vom Guide an Führungsseilen entlang gezogen.

Optisch sind sich beide Höhlen ziemlich ähnlich. Waitomo ist nur etwas weitläufiger ist oder wirkt zumindest so. Das mag vielleicht daran liegen, dass in Waitomo Beginn und Ende der Bootsetappe an unterschiedlichen Enden der Höhle liegen während man in Te Anau in die Höhle hinein und auf gleichen Wege wieder hinaus fährt und geht.

Dafür erweitert Te Anau das angebotene Programm um eine Präsentation über die Höhlen, die Glowworms und die Umgebung.

Damit kommen wir zur zweiten Namensanomalie. Wie eine der Tourguides treffend bemerkte gibt es keine Spezies von Würmern deren Lebenszyklus in einem fliegenden Insekt endet. Korrekt benannt wären diese Glühwürmer eher Glühmaden (Glow Maggots), was sich aber nicht so gut auf Marketing Materialien macht.

So weit zum heutigen Programm. Wie gestern schon kurz angeschnitten werden die Beiträge für morgen und übermorgen zusammengelegt und kommen auch erst übermorgen.

Der Grund dafür ist, dass ich ab morgen Mittag für 24 Stunden meinen Laptop nicht bei mir haben werden und vermutlich über Teile auch kein Internet haben werde.

Es geht auf eine Übernacht Kreuzfahrt auf den Doubtful Sound (so benannt weil Captain Cook bei der Erforschung Zweifel hatte ob der Wind günstig und kräftig genug wäre um mit seinem Schiff in den Fjord hinein zu fahren und auch wieder herauszukommen).

Und mit diesem letzten Absatz wären wir bei Namensanomalie drei. Auch wenn der Name Doubtful Sound lautet habe ich diesen Meeresarm gerade als Fjord bezeichnet. Fjord und Sound bezeichnet ähnlich aussehende Geografie in der Form von langen, häufig schmalen und von steilen Bergen flankierten Meeresarmen die sich ins Landesinnere ziehen.

Je nachdem wie streng man die Unterscheidung auslegen will und welcher Definition man glaubt unterscheiden sich Fjorde und Sounds dadurch, dass erstere von Gletschern gegraben werden und sich nach dem Abschmelzen mit Meerwasser füllen.

Sounds wiederum werden zumeist durch Flüsse in die Landschaft gegraben. Nachdem sich der Fluss bis auf Meeresniveau heruntergegraben hat vermischen sich Fluss- und Meerwasser und aus dem ehemaligen Fluss wird ein Sound.

Die drei großen Sounds rund um Te Anau, Milford, Doubtful und Dusky sind alle drei durch Gletscheraktivität entstanden und wären damit eigentlich korrekter als Fjorde bezeichnet.

Ein Stück weit wurde diese Ungenauigkeit revidiert da der Nationalpark und ein Teil der Region in dem die Sounds liegen Fiordland heißt. Die Schreibweise mit i anstatt j ist ein Spezialfall in Neuseeland Englisch. Das heißt alle anderen Englisch-Variationen (UK, US, AUS, ...) verwenden das skandinavische Lehnwort Fjord mit j.

Damit sehen/lesen wir uns wieder bei Tag 19.