Tag 20

Tag 20

Die Zeit vergeht...

Heute stand ein Ausflug in den Milford Sound am Plan, dem bekannteren, kleinen Bruder des Doubtful Sounds.

Da er so bekannt ist und im Gegensatz zu den anderen öffentlich zugänglichen Fjorden ohne Schiff über die Straße erreichbar ist ist er eine der größten Touristen Magneten der Südinseln und Neuseelands. Genaue Zahlen sind nicht verfügbar aber Schätzungen liegen bei etwa 600.000 bis 1.000.000 Besucher pro Jahr.

Aussicht auf dem Weg zum Sound.

Um es gemütlich angehen zu lassen und nicht selbst durch ein Touristen-Meer fahren zu müssen entschied ich mich für An- und Abreise mit dem Bus ab Te Anau. Eine gute Wahl denn der kostenpflichtige Auto-Parkplatz ist etwas klein dimensioniert. Die Busparkplätze sind von 1 bis 40 durchnummeriert. Die Schiffsanleger sind von 1 bis 10 durchnummeriert und zwischen vier oder fünf Ausflugsunternehmen aufgeteilt.

Es ist definitiv nicht fair einen eintägigen Busausflug mit einer Stunde Schiffsfahrt heute mit einer 24-stündigen Schiffsfahrt zu vergleichen (vor allem wenn das Milford Schiff 400 Passagiere an Board hat im Vergleich zu 49 auf der Fjordland Navigator).

Da entsteht einfach der Eindruck einer Massenabfertigung.

Landschaftlich ist der Milford Sound wunderschön. Man kann auch unzählige kleine und große Wasserfälle sehen und es gibt auch Robben und gelegentlich Delfine.

Ich muss gestehen der Doubtful Sound ist aus meiner Sicht die bessere Erfahrung, auch wenn man nur einen einfachen Ausflug ohne Übernachtung macht.

Nominell ist die Anreise "schwieriger" weil man Schiff und Bus benötigt um überhaupt zum Doubtful Sound zu gelangen. Daher ist alles kleiner dimensioniert und es gibt von vorne herein weniger Kapazität und verfügbare Tickets.

Kurzer Nachtrag zum Tag der falschen Benennungen. Die gestern beschriebenen Buchen (Beech Trees) haben biologisch nichts mit den Buchen auf der Nordhalbkugel zu tun und sind eine vollkommen eigene Baumart.

Nachtrag zum Artenschutz. Heute wurde nochmal seitens eines Tour Guides erwähnt, dass Überfahren auf der Straße ein probates Mittel für die Schädlingsbekämpfung in Neuseeland ist.

Sie führte aber noch etwas weiter aus, wie es zu dieser tierischen Invasion kam.

Mäuse und Ratten sind unkontrolliert versteckt an Schiffen ins Land gekommen. Bei Hasen, Possums und Mardern sieht die Sache aber etwas anders aus. Übersetzt lautete ihre Ausführung in etwa:

Geschäftsmann: Ich hab eine Idee. Wir siedeln Hasen an und etablieren eine Pelz-Industrie
Biologen: Blöde Idee...
Die Regierung: Keine Sorge, unsere Jäger sind die Besten. Los gehts.
Ergebnis: Ein paar Pflanzen und Baumarten starben innerhalb von ein paar Jahren aus.

Anderer Geschäftsann: Ich hab eine Idee. Possums in Australien haben auch großartiges Fell.
Biologen: Nicht schon wieder. Immer noch eine Blöde Idee...
Die Regierung: Keine Sorge, unsere Jäger sind die Besten. Los gehts.
Ergebnis: Viele der zahlreichen Vogelarten die ohne natürliche Feinde ihre Flugfähigkeit verloren haben und deshalb am Boden brüten sind innerhalb von kurzer Zeit vom Aussterben bedroht.

Mann mit "guter" Idee Nr. 3: Ich habs, Marder sind überall sonst die natürlichen Feinde von Hasen und Possums sind sollte das unser Problem lösen. Die Marder fressen die Schädlinge und die die übrig bleiben können wir jagen.
Biologen: Ihr seid alle miteinander wirklich lernresistent... Nochmal, blöde Idee.
Die Regierung: Aller guten Dinge sind drei. Los gehts.
Die Marder: Und warum sollten wir unser Futter jagen und erlegen wenn der Tisch schon mit Eiern und Vogelküken gedeckt ist?

Seither arbeiten Naturschützer mit Ködern, Fallen und auch Gift an der Schädlingsbekämpfung und für Autofahrer gilt, wenn es sicher möglich ist ist ein gut platzierter Schlenker alles was notwendig ist.

Und zu guter Letzt, weil es gerade so richtig juckt, noch die Kurzfassung einer Maori Legende.

Ein Halbgott wurde von den Göttern beauftragt eine schöne Landschaft im Süden der Südinsel zu erschaffen. Dabei leistete er so gute Arbeit, dass die Menschen die sich dort ansiedelten Tag ein Tag aus nur die schöne Umgebung genossen und nicht mehr arbeiteten.

Daher erschuf die Göttin Hine-nui-te-pō (Göttin der Nacht und der Unterwelt) Sandfliegen um all die herumstehenden Menschen zu beißen und zum weiter gehen zu drängen.

Sandfliegen (ich hab nicht herausgefunden ob das die korrekte Übersetzung ist, auf englisch heißen sie Sandfly, in Maori Te Namu) sind mit Stechmücken entfernt verwandt. Weibchen trinken das Blut von Tieren und Menschen um Eier produzieren zu können. Um an das Blut zu gelangen durchstechen sie die Haut und warten bis sich ein Bluttropfen auf der Haut formt. An diesem bedienen sie sich dann.

Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, sobald man nahe eines Gewässers länger als eine Minute stehen bleibt hat man an unbedeckten Hautstellen schnell mehrere Exemplare sitzen.