Aus Zwei mach Eins

Konkret aus einem Anreise-Tag und dem ersten Sightseeing-Tag mach einen sehr anstrengenden und langen Tag, Zeitzonen sei Dank.

Aus Zwei mach Eins
Photo by Erik Eastman / Unsplash

Konkret aus einem Anreise-Tag und dem ersten Sightseeing-Tag mach einen sehr anstrengenden und langen Tag, Zeitzonen sei Dank.

In etwas mehr Detail heißt das 11.04. 09:00 Abreise zum Flughafen. 11:30 Gepäck aufgeben, Sicherheitskontrolle, 13:00 Boarding, 14:00 Abflug (30 Minuten nach der geplanten Zeit), (Die nachfolgendne Zeiten sind in Japan Standard Time, JST, Sommerzeit gibt es nicht weil in den 1950er Jahren als blöde Idee empfunden, das heißt es gibt je nach Datum einen Zeitunterschied zwischen +7 Stunden im Sommer oder +8 Stunden im Winter zur MEZ/MESZ, Moment, der Ausschweifer war jetzt etwas zu lange für mein noch nicht in der Zeitzone angekommenes Gehirn, wo war ich nochmal, ah ja...), 12.04. 08:30 Landung (20 Minuten vor dem Plan), Gepäck beim Hotel abgeben und irgendwie schauen den ersten(/zweiten) Tag zu überleben.

Aber alles der Reihe nach. Auch dieses Mal begleitet mich wieder Poe und dieses Mal wollte er sogar von sich aus eine wichtigere Rolle übernehmen und ist daher diesmal für alle notwendigen Zugverbindungen zuständig. Ob sich das zukünftig wiederholt werden wir sehen.

Die neuesten geopolitischen Eskapaden hatten zum Glück keine unmittelbaren Auswirkungen auf meinen Flug (außer, dass ich Austrian wahrscheinlich wünscht ich hätte mehr für den Flug gezahlt). Seit 2022 der russiche Luftraum für europäische Fluglinien gesperrt wurde führt der Weg südlich an Russland vorbei durch die Türkei, Aserbaidschan, Kasachstan, China und Südkorea nach Japan.
Neu ist, dass Flüge die bisher über den Iran, den Persischen Golf oder die Vereinigten Arabischen Emirate flogen nun ebenfalls durch das Nadelöhr über Georgien und Aserbaidschan ausweichen müssen.
Das führt jetzt zu keinen Verkehrsbeschränkungen aber ich habe bisher auch noch nie auf 37.000 Fuß gleichzeitig drei andere Flugzeuge gesehen, die in die gleiche Richtung geflogen sind.

Nach gut 11,5 Stunden Flug und einer problemlosen Einreise (Tipp für alle Japanreisenden, Stand April 2026, Visit Japan Web zu nutzen ist definitiv eine gute Idee, man erspart sich per se keine Zeit, da man das Zoll Formular zu Hause am PC ausfüllt anstatt auf Papier am Flughafen ABER man füllt es zu Hause am PC aus, wenn es einem gerade passt, nicht nach 11 Stunden Flug und wahrscheinlich zu wenig Schlaf) ging es mit dem Zug direkt nach Shibuya. Ins Stadtzentrum? In eines der Stadtzentren? Es ist kompliziert...

Ich musste nach einer halben Stunde Diskussion mit mehreren KIs einsehen, dass ich für keine Zwecke keine einfache Definition bzw. Beschreibung für Tokio bekomme. Daher im Detail etwas vage bleibend, Tokio ist einer der größten Ballungsräume der Welt (in diesen Dimensionen ist es so schwierig etwas definitiv festzulegen, dass sich nicht mal Wikipedia ein eindeutiges Urteil zutraut).

Aber warum jetzt Stadtzentren im plural? Selbst wenn man Tokio auf die Verwaltungsbehörte Tokyo Metropolitan Government reduziert (und damit von 38 Mio auf 14 Mio Einwohner reduziert) reden wir immer noch von 23 Bezirken von denen die meisten historische eigene Städte waren bevor sie Teil von Tokio wurden und von denen einige ein definiertes Zentrum und Umland entwickelt haben.
Shibuya ist da eher noch auf der kleineren Seite. Die tatsächliche Bevölkerung ist mit 230.000 etwa mit Linz vergleichbar. Werktags erhöht sich dies auf 600.000 Menschen die dort wohnen, arbeiten und zur Schule gehen bzw. zu Spitzenzeiten (unabhängig vom Wochentag) 1.000.000 Menschen, wenn Touristen mitgerechnet werden.
Daher ist Shibuya eines der sieben designierten Subzentren/sekundären Stadtzentren.

Fun Fact (laut Google Gemini, wenns nicht stimmt ist Google schuld, ich hab zitiert), von den Bewohnern Tokios bekommt man auf die Frage nach dem Stadtzentrum häufig die Antwort: "die Yamanote Linie" (als Kontext, die Yamanote Linie ist eine Ring-Linie mit 30 Stationen und einem täglichen Fahrgastaufkommen von 3,5-4 Mio, der Mittelwert dieser beiden Zahlen entspricht fast der Bevölkerung von Wien, Oberösterreich und Salzburg).

Ok, für den Moment genug der nerdigen Zahlen und Fakten (der Urlaub ist noch lang genug, um mehr davon unterzubringen).

Nachdem ich mein Gepäck im Hotel deponiert hatte und einem kurzen Umweg über den Suica-Karten-Automaten ging es für Poe und mich nach Ebisu... um genauer zu sein zu Yebisu...
Ich hätte es probiert aber mir fällt leider kein treffender Witz dazu ein. Die Yebisu (ausgesprochen Ebisu) Brewery ist eine Bierbrauerei in Tokio im Stadtteil Ebisu. Erwähnenswert ist dabei, dass der Stadtteil nach der Brauerei benannt ist, nicht umgekehrt.

Auf die Frage, warum, ein paar einfache Antworten:

  • Es ist nur eine Station vom Hotel entfernt und ich muss mit Schlafmangel nicht viel nachdenken um hinzukommen
  • Brauereien haben häufig eine interessante Geschichte
  • Bier

Wenn wer eine alternative Reihung dieser Liste oder weitere Gründe vorschlagen möchte, ich bin ganz Ohr.

Yebisu scheint bei deren Gründung 1890 Anleihen an der griechischen Brauerei Fix genommen haben. Für beide lässt sich die Entstehung zusammenfassen mit "ich will Bier brauen, weiß aber nicht wie. Importieren wir uns einen deutschen Braumeister" nur, dass die Griechen diese Idee etwa 25 Jahre früher hatten.

Geschichtlich interessant ist vielleicht die Tatsache, dass einige der größten Biermarken Yebisu, Sapporo und Asahi zwischen 1906 und 1949 sich freiwillig zusammenschlossen und alle ihre Produkte unter dem gleichen Namen, Dainippon Beer, verkauften, keine individuellen Labels, keine Markennamen, einfach nur eine Flasche mit der Aufschrift Bier.
Während Asahi nach 1949 wieder eine eigenständige Firma wurde blieb Yebisu teil der Sapporo Gruppe.

Keine Brauereibesichtigung ist komplett ohne Verkostung, deshalb hier ein Rentier mit Bier.

Fun Fact hier (diesmal aus der Brauerei, nicht von Google) Yebisu ist von so zentraler Bedeutung für den Bezirk Ebisu, dass die Straßenlaternen auf einer der Zufahrtsstraßen zur Brauerei (inoffiziell auch als Beer Hill bezeichnet) mit Straßenlaternen in Form von Bierkrügen versehen sind.

Nach der Brauerei ging es weiter zu einem der klassische Wahrzeichen Tokios, dem Tokyo Tower.
Tokyo Tower wurde zwischen 1957 und 1958 als Fernsehturm errichtet. Nicht zu verleugnen ist dabei die Vorlage für den Bau, der Eiffelturm. Mit 333 Metern war der Tokyo Tower seinerzeit der höchste freistehende Stahlturm sowie der höchste Fernsehturm. Der Turm ist bis Heute aktiv und dient als Sender für 24 Fernseh- und Radiostationen. Darüber hinaus war er bis 1968 und von 1998 bis 2010 das höchste Bauwerk Japans und bis 2010 das höchste Bauwerk Tokios (ja, zwischen 1968 und 2010 gab es auf Iwo Jima einen Sendemasten mit einer Höhe von 411 Metern).
2010 lässt sich mit der Fertigstellung des Tokyo Sky Tree erkläre (mehr dazu morgen).

Als Besucher kommt man mit der Hauptplattform bis auf 150 Meter und gegen Aufpreis auf 250 Meter. Obwohl Sonntag ein relativ klarer Tag war, es reichte leider nicht aus, um Mount Fuji zu sehen. Die Bergkette war im Dunst zu erahnen aber der Gipfel mit seiner markanten Silhouette blieb leider verborgen. Unter perfekten Bedingungen ist es möglich (die Distanz beträgt dann aber 107 km, zum Vergleich Pöstlingberg - Traunstein sind knapp 60 km für alle anderen Bundesländer ¯_(ツ)_/¯, Emoticon für Achselzucken).

Für morgen relevant, die Regenbogen-Brücke

Nach einem Zwischenstopp im Gastrobereich des Tokyo Tower (Notiz an mich, wenn die Leute hier zwischen Portion und große Portion unterscheiden, dann ist letzteres eine verdammt große Portion) für eine große Portion Miso-Ramen ging es zurück ins Hotel, um endlich einzuchecken und nach einer Dusche erledigt ins Bett zu fallen.
Falls wer die Mathematik des Ganzen in einer Zeitzone nachvollziehen will, ich bin am Samstag um 07:30 aufgestanden und am Sontag um 13:00 ins Bett gegangen.

Mal schauen wie lang mir der Jetlag nachhängt.