Tag 3

Tag 3
Photo by Jezael Melgoza / Unsplash

Der heutige Tag begann spirituell touristisch. Touristisch spirituell? Ich bin mir nicht ganz sicher was besser passt.

Vorweg auch eine Entschuldigung, heute war ich fürchterlich nerdig unterwegs, primär, was das Verfassen dieses Beitrages angeht.

Senso-Ji, ein Buddhistischer Tempel im Bezirk Asakusa (das U ist beim Aussprechen optional) ist eine enorme Tempelanlage und nach Schätzungen die meistbesuchte religiöse Stätte der Welt mit etwa 30 Millionen Besuchern pro Jahr.

Die Anlage umfasst unter anderem die Haupthalle des Buddhistischen Tempels, einen kleineren Shinto Schrein, die berühmte fünfstöckige Pagode, die beiden großen Tore (Kaminarimon, das äußere Tor und Hōzōmon, das innere Tor) und von beiden Toren eingefasst Nakamise-dōri, eine etwa 250 Meter lange Straße mit zwei Reihen von Geschäften die neben Essen und Getränken alles verkaufen was im weitesten Sinn als Souvenir durchgeht.

An dieser Stelle habe ich jetzt noch den Vorplatz der Haupthalle ausgelassen, den Ort meiner heutigen spirituellen Teilhabe. Dort findet man nämlich O-mikuji (おみくじ).
Nach Einwurf von 100 Yen schüttelt man einen sechseckigen Zylinder solange bis man zufrieden ist, dass der Inhalt gut gemischt wurde.
Besagter Inhalt sind nummerierte Holzstäbchen von denen man nun versucht die Spitze eines Stäbchens durch ein Loch im Zylinder schauen zu lassen um die Nummer abzulesen.
Für die Nummer gibt es eine passende Schublade aus der man ein Blatt Papier mit seinem Los/Schicksal/Wahrsagung (mir sind für den Begriff Fortune alle drei Übersetzungen untergekommen, ich nehm einfach das letzte der drei weil es am mysteriösesten klingt) entnimmt.
O-mikuji kommen im mehreren "Geschmacksrichtungen" von süß bis scharf. Ok, die offiziellen Bezeichnungen gehen über mehrere Abstufungen von großem Glück zu großem Pech. In der Mitte ist (normales/neutrales) Glück oder. Allem unterhalb hiervon sollte unverzüglich rituell entgegengewirkt werden.

Nach diesem Bad in der Menschenmenge und einem Ausflug in asiatische Traditionen ging es weiter zu meinem nächsten Ziel. Akihabara Electric Town. Von diesen drei Worten ist nur eines die offizielle geografische Bezeichnung.
Der Beiname Electric Town kommt historisch aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg wo sich eine boomende Elektro-/Elektrotechnik Branche etablierte und von Radios über Haushaltsgeräte bis hin zu einzelnen Elektrokomponenten alles verkaufte.
Der Name blieb, die Elektrogeschäfte sind mittlerweile weitgehend Anime, Manga und Action Figuren gewichen (obwohl mir in einer Seitengasse auf dem Weg zurück zum Bahnhof ein einzelnes Geschäft aufgefallen ist, das in seiner Auslage hunderte unterschiedliche Schalter und Steckverbindungen ausgestellt hatte).
Ich war zwar rund um die Mittagszeit dort aber so bunt wie die Gegend unter Tags aussieht kann ich mir gut vorstellen, dass die Farben im Titelfoto nicht viel Unterstützung durch Post-Processing benötigt haben.

Nach diesem Straßenbummel ging es zurück Richtung Hotel mit zwei Zwischenstopps.

Stopp Nummer die erste: Shinjuku. Das hat mehrere Gründe:

  • Eine Video-Wand
  • Eine Straßendekoration
  • Aufklärung

Der Reihe nach. Auf einem Gebäude außerhalb des Bahnhofes Shinjuku ist eine Video-Wand montiert, die dafür sorgt, dass sich fast den gesamten Tag eine kleine Ansammlung von Menschen dort steht und die Video-Wand filmt, fotografiert oder einfach nur anschaut.
Hintergrund: Es ist ein 3-D Bildschirm komplett ohne 3-D Brillen oder andere Hilfsmittel.

Ganz ohne Tricks geht es aber nicht. Der Bildschirm ist auf dem Dach eines Gebäudes montiert und folgt der 90° Ecke des Gebäudes mit einer Kurve.
Durch unsere eigene Erwartungshaltung, dass ein Bildschirm normal flach ist bzw. nicht einer 90° Ecke folgt kann man nun eine Figur und einen Hintergrund animieren und eine künstliche Häuserecke erzeugen, die unser Gehirn austrickst und uns überzeugt, dass die Figur dreidimensional existiert.

Das ist jetzt sehr theoretisch beschrieben. Ich hab Videos gemacht aber sowohl Handy als auch Kameras haben massive Probleme weil sowohl Framerate als auch die Netzfrequenz im Stromnetz bei 60 Herz liegen.

Stattdessen gibt es hier eines der Videos, das mich dazu gebracht hat mich in Shinjuku an eine Straßenecke zu stellen und mit anderen gemeinsam eine Video-Wand anzustarren.

Die Straßendekoration ist schneller erklärt. Auf einem anderen Gebäude, zwei Querstraßen rechts neben dieser Katze ist ein riesiger Godzilla Kopf montiert.

Zum letzten Punkt, Aufklärung. Shinjuku ist ein Monster von einem Bahnhof. Mit über drei Millionen täglichen Passagieren (die dort ein- und aussteigen, durchfahrende in den Zügen nicht mitgerechnet) ist Shinjuku der meistgenutzte Bahnhof der Welt (noch ein Superlativ für Tokio). Shinjuku hat 35 Bahnsteige aufgeteilt auf mehrere Bahn und U-Bahn Gesellschaften. Zusätzlich ist Shinjuku noch mit unterirdischen Fußwegen mit fünf umliegenden kleineren Bahnhöfen verbunden die nochmals 17 Bahnsteige erreichbar machen ohne den Bahnhof durch einen der 200 Ausgänge verlassen zu haben.
Aufklärung habe ich den Punkt deshalb genannt, weil mich übermorgen einen Zug von Shinjuku aus in die Fuji-Five-Lakes-Region nehme.

Nach Shinjuku gibt es weiter nach Shibuya um dort zwei Wahrzeichen zu besuchen. Zum Einen Shibuya Scramble Crossing und zum Anderen eine Statue.

Grün-Phase für die Fußgänger. So sieht es aus wenn wenig los ist.

Und wieder Zeit für Erklärungen. Scramble Crossing (auf deutsch etwas umständlich übersetzt mit "Alle-Gehen-Kreuzung") ist eine Art von Ampelschaltung bei der zuerst die Ampelphasen für den Autoverkehr ablaufen und dann, nachdem der Autoverkehr gestoppt wurde, für alle Abschnitte die Fußgängerampeln gleichzeitig auf Grün schalten. Der Superlativ ist zurück. Shibuya Scramble Crossing hält den Rekord für die meisten Personen die während einer Ampelphase die Kreuzung überquert haben mit etwa 3500-4000.

Damit zur Statue. Ich halte es aber kurz. Der englische Wikipedia-Artikel dazu ist erschreckend lang. Auf dem Platz vor dem Bahnhof und neben der oben beschriebenen Kreuzung steht die Statue eines Akita-Hundes namens Hachikō.
Hachikō lebte ab 1924 mit seinem Besitzer in Shibuya und ging täglich selbstständig zum Bahnhof um seinen Besitzer am Ende des Arbeitstages abzuholen.
Dies lief so bis 1925 als Hachikōs Besitzer, Hidesaburō Ueno, plötzlich während seiner Arbeit verstarb und nicht mehr heimkehrte.
Bis zu seinem Tod 1935 wartete Hachikō jeden Tag auf seinen Besitzer, zunächst als gewöhnlicher Straßenhund häufig verscheucht und gelegentlich auch getreten. Über die Jahre wurde Hachikōs Geschichte aber einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und aus dem Straßenhunde wurde ein Symbol der Loyalität und über die Jahre wurde Hachikō, der Akita zum Maskottchen Shibuyas.
War der Bildschirm schon immer so unscharf?

Nach diesem lokalen Ausflug (die Kreuzung und Statue sind zu Fuß ca. 10 Minuten von meinem Hotel entfernt) ging es kurz zurück ins Hotel um kurz zu entspannen und dann noch Mal hoch hinaus.

Ich konnte Tickets für die Aussichtsplattform Shibuya Sky zu einem guten Preis bekommen. 15€ bzw. 2700 Yen regulär sind schon sehr stolz.

Zusammengefasst: Gebäude mit 46 Stockwerken, Das Dach ist mit einer drei Meter hohen Glaswand umfasst. Dass die Hausordnung so ziemlich alle Gegenstände verbietet, die mach nicht einfach einstecken oder sich um den Hals hängen kann (also keine Rucksäcke weil zu groß, keine Kappen oder Hüte weil nicht gegen Wind gesichert) ist lästig aber weitgehend verständlich. Im Gegensatz zum Tokyo Tower oder Skytree ist die Dachplattform offen und alles was nicht festgemacht ist fliegt früher oder später bei einer Windböe davon.

Damit aber genug vom heutigen Programm.