Tag 11 - Wenn mir ein knackiger Titel zum Thema Burgen einfällt wird er hier auftauchen

Tag 11 - Wenn mir ein knackiger Titel zum Thema Burgen einfällt wird er hier auftauchen
Photo by Sebastian Kurpiel / Unsplash

Oder auch nicht.

Tag 11 in Japan und Tag 2 in Osaka. Wie könnte ein Sightseeing Tag also beser beginnen als gleich in der Früh Osaka Richtung Westen zu verlassen.
Hintergrund dazu war ein Schlechtwetter-Tag der für morgen vorausgesagt ist daher mussten wurden die Park- und Schloss-Besichtigungen, die ich für morgen eingeplant hatte einen Tag vorverlegt.
Das heißt für morgen zwar leider Osaka bei Regen aber das lässt sich mit Regenschirm und Jacke gut handhaben.

Ich versuche noch es nicht persönlich zu nehmen oder mich als verflucht anzusehen aber heute war der zweite Tag in Folge mit massiven Bahnverspätungen. Diesmal, je nach Anzeigetafel und Bahnlinie entweder Sicherheitsüberprüfungen bei den Waggons oder an einer Schrankenanlage.

Für die mich betreffende Bahnlinie muss es wohl ersteres gewesen sein. Das Shinkansennetz auf der Tokaido-Sanyo-Kyushu Linie hat nur eine einzige Schrankenanlage und die liegt an der Zufahrt zum Reparaturwerk in Hamamatsu. Sonst gibt es keine anderen Bahnkreuzungen.

Da mein geplanter Nozomi 30 Minuten Verspätung meldete und die zuvor abfahrenden Züge auch verspätet waren ging es in einen der Non-Reserved Wagen eines früheren Hikari.
Ich hoffe, dass diese Verspätungen bald aufhören. Ab übermorgen werden nämlich alle Nozomi-Züge reservierungspflichtig, in Vorbereitung auf den Passagier-Wahnsinn der Goldenen Woche.

Kurzer Exkurs zu diesen Namen. Shinkansen gibt es in mehreren "Geschmacksrichtungen". Da wären z.B. der Nozomi auf der Tokaido (Tokio-Osaka) und Sanyo (Osaka-Hakata) Strecke, der Hayabusa auf der Tohoku Strecke zwischen Tokio und Hakodate (die längste durchgehende Strecke und mit bis zu 320 km/h die höchsten Geschwindigkeiten). Diese Züge sind die Langstrecken-Expresszüge mit den wenigsten Zwischenhalten. Darunter gibt es dann Hikari (Tokaido und Sanyo) und Yamabiko (Tohoku) etwas mehr Stopps.
Als langsamste Gattung gibt es Richtung Westen/Süden dann Kodama und Richtung Osten/Norden Nasuno die an allen Shinkansen-Stopps halten.

Als Exkurs zum Exkurs, den Namen Tokaido hab ich schon einmal kurz erklärt. Wie auch bei Sanyo, Tohoku und Hokuriku, handelt es sich um Regionen Japans die meist geschichtliche Hintergründe haben.

Nach diesem ganzen Exkurs, wo ging es heute eigentlich hin? Himeji, konkret Himeji Castle, eine der am besten erhaltenen großen Burgen Japans und eine der zwölf Burgen, die nicht durch Naturkatastrophen oder den zweiten Weltkrieg zerstört wurden oder schon zuvor während bzw. als Folge der Meji-Restauration aufgegeben wurden.

Die ältesten erhaltenen Gebäude der Burg gehen zurück auf das 17. Jahrhundert während die Anfänge der Burg im Jahr 1333 liegen.
Das herausstehende Merkmal von Himeji ist seine weiße Farbe, die es weithin sichtbar macht. Und die Stadt Himeji hat ihren Beitrag geleistet Besucher von Anfang bis Ende zu beeindrucken.

Wenn man mit dem Zug anreist und den Ausgang Richtung Himeji Castle nimmt öffnet sich vor dem Bahnhof eine breite Straße, man könnte fast Allee dazu sagen, an deren Ende Die Burg auf ihrer Befestigungsanlage thront.

Sogar noch innerhalb des Bahnhofes

Notiz am Rande, der Hauptturm von Himeji und allen anderen japanischen Burgen diente nicht als Hauptgebäude oder Wohnraum, sondern als Waffenlager und Verteidigungsturm.

An dieser Stelle ein Dank an alle, die mir vorab von ihren Erfahrungen berichtet haben. Ein wichtiger Punkt, den man wissen muss um Entteuschungen zu vermeiden ist, dass der Hauptturm nicht zu einem Museum umgebaut wurde sondern original erhalten wurde. Bis auf ein paar Info-Tafeln es es also nur ein historisch bedeutender und architektonisch schöner Aussichtsturm und, angesichts der extrem steilen Stufen ein großartiges Oberschenkel-Training.
Die Eintrittskarte zahlt sich meiner Meinung nach aber trotzdem aus, da man Zutritt in den Festungsbereich und andere Gebäude bekommt, die man von außen nicht sehen kann.

Kurz ein Wort zu meiner Zug-Wahl. Die Strecke Osaka-Himeji ist gerade an der Grenze wo es gefühlt Sinn macht den höheren Preis für ein Shinkansen Ticket zu zahlen.
Zum Vergleich, der normale Express Zug legt die Strecke in einer Stunde 10 Minuten zurück. Der Nozomi Shinkansen braucht 28 Minuten, die langsameren Shinkansen zwischen 31 und 35 Minuten.
Die Tickets kosten allerdings ziemlich genau das doppelte (1750 Yen, ca €9,40 vs 3300 Yen, ca. €17,60).
Vorteil neben der Zeitersparnis ist auch, dass die Shinkansen Züge in ihrer Sitzplatz-Kapazität deutlich größer sind und fast keine lokalen Pendler transportieren.
Beim lokalen Express Zug kann es passieren, dass man für Teile der 70 Minuten Fahrzeit stehen muss, weil kein Sitzplatz frei ist.
Zusätzlicher, unerwarteter Benefit, Himeji hat zwar ein paar Nozomi-Züge die stoppen aber für die meisten Nozomi ist es kein Halte-Bahnhof. Das heißt aber, dass es zwischen den haltenden Zügen in beide Richtungen durchfahrende Züge gibt und durchfahren heißt hier 270 km/h. Bei uns kennt man das in kleineren Bahnhöfen entlang der Westbahn (vor Allem dort wo noch nicht viergleisig ausgebaut wurde) mit 220 km/h Railjets.
Anders als bei uns gibt es entlang der Tokaido und Sanyo Route aber keine Vorwarnung, da alle Bahnhöfe mit Durchfahrtsgleisen ausgestattet sind, die Züge also mit gut fünf Meter Abstand zur Bahnsteigkante vorbeifahren.

Das ist der kleine Bruder des N700S, ein N700 der unter dem Namen Sakura zwischen Osaka und Kagoshima (eine Insel weiter südlich und dort fast an der Südspitze). Kleiner Bruder, weil dieser Zug nur mit 8 statt 16 Wagen fährt.

Ich hätte zwar versucht eine Durchfahrt zu filmen aber die erste passierte gerade als ich noch auf der Rolltreppe zum Bahnsteig war und die zweite hat mich komplett überrascht.

Fun Fact und absolute Bewunderung für die Schaffner. Bei allen Zügen in Japan ist es üblich, dass einer der Zugbegleiter im letzten Wagen seinen Kopf aus dem Fenster steckt und den Bahnsteig kontrolliert bis der Zug den Bahnhof vollständig verlassen hat.
Für einen 16 Waggon Shinkansen dauert das vom Stand knapp eine Minute.
Wenn ich davon ausgehe, dass der Zug nicht mit voller Kraft aus dem Stand beschleunigt (das wäre etwas ruppig für die Passagiere) dann hat der Zug geschätzt 100-120 km/h auf dem Tacho bevor der Zubegleiter seinen Kopf einzieht (bei voller Beschleunigung schafft es ein 16 Waggon N700S Shinkansen auf 160 km/h).
Ich kann gut verstehen warum diese Leute dabei Schutzbrillen Tragen.

Nach dieser Besichtigung ging es, diesmal ohne Verspätung zurück nach Osaka und zwar genauer zum Osaka-jo. Für alle, die raten wollen, was das ist, ich hätte Himeji Castle auch als Himeji-jo bezeichnen können (Ausgewohnheit will ich alle Suffixe immer mit großem Anfangsbuchstaben zu schreiben während die allgemein akzeptierte Schreibweise für -ko und -jo Kleinbuchstaben sind).

Osaka Castle ist ebenfalls eine prächtige japanische Burg mit einem noch imposanteren Turm und einer größeren Befestigungsanlage aber, anders als Himeji ist Osaka Castle keine der original erhaltenen Burgen.
Meine Annahme, dass das mit dem zweiten Weltkrieg zusammen hängt stellte sich aber als komplett falsch heraus.
Osaka Castle wurde zwar bis 1945 als Arsenal für die Armee verwendet und große Teile des Arsenals wurden während des Krieges zerstört.
Der Turm der Burg brannte aber nach einem Blitzschlag 1665 nieder und wurde erst 1931 für die Armee in Beton-Bauweise wieder aufgebaut.

1948 wurden Kriegsschäden repariert und die Burg und der Park als historische Anlage unter Denkmalschutz gestellt.
Seine heutige Form geht auf die letzte Renovierung 1995 zurück wo Fassade und Dächer aufbereitet, Aufzüge installiert wurden und das der Turm gemäß moderner Bauvorschriften erdbebensicher gemacht wurde.

Ebenfalls anders als Himeji wurde Osaka Castle zu einem Museum ausgebaut. die Stockwerke 2-4 zeigen diverse historische Dokumente und Exponate aus der Geschichte Osakas. Stockwerk 5 und 7 zeigt wechselnde Ausstellungen zu diversen Themen. Wir reden nicht über Stockwerk 6 und Stockwerk 8 bietet eine Aussichtsplattform.

Eine zufällig vorbeischauende Krähe, die sich ebenso wundert wie ich, warum man eine 20 Minuten Bootsfahrt auf einem 1 km lange Abschnitt des inneren Burggrabens anbietet

Damit war es dann auch schon wieder 16:00 Uhr und ich entschied mich heute früher Feierabend vom Besichtigungsprogramm zu machen und etwas Wäsche zu waschen.