Tag 14 - Du schon wieder...

Tag 14 - Du schon wieder...

Kurze Vorankündigung: ich weiß nicht, ob es morgen zur gewohnten Zeit einen Beitrag geben wird. Ob und wann ich etwas schreiben werden hängt von meiner emotionalen Verfassung ab.

Am heutigen Tag stand ein Ausflug auf dem Programm. In der Bucht von Hiroshima finden sich einige Inseln. Ein paar davon sind bewohnt oder dienen als beliebte Badestrände für die Einheimischen.
Allerdings hat nur eine Insel den Status als Nationale Kostbarkeit (National Treasure of Japan) und UNESCO-Welterbe. Miyajima, übersetzt, die Schreininsel. Das ist zumindest der Name der weitläufig verwendet wird, so weitläufig, dass Bahnhof, Straßenbahnhaltestelle und die Anlegestelle auf dem Festland den Namen Miyajimaguchi tragen, was sich mit Eingang zu Miyajima übersetzen lässt.
Miyajimaguchi ist etwa 30 Minuten mit dem Zug oder eine Stunde mit der Straßenbahn vom Bahnhof Hiroshima entfernt.

Der offizielle und historische Name der Insel lautet Itsukushima, die Insel der Strenge. Die Endungen -shima und -jima sind dabei zwei schreibweisen des gleichen Wortteiles und benennen das zuvor kommende als Insel (oder manchmal auch Mündung oder Delta, wie im Fall von Hiroshima).

Der Isukushima Schrein bei Ebbe. Bei Flut sind es aber auch nur ein paar cm Wasser.

Berühmt ist die Insel für den Itsukushima Schrein, der sich, auf Pfählen errichtet, bei Flut über dem Wasser, bei Ebbe über dem Strand erhebt.
Dem Schrein vorgelagert im Meer findet sich das wahrscheinlich berühmteste Torii Gate Japans.

Bei Ebbe kann man trockenen Fußes zum Torii Gate hinausgehen. Bei Flut sind 2,5 bis 3,5 Meter des Tores unter Wasser.

Die Überfahrt mit der Fähre dauert 10 Minuten und der Fahrpreis für den Hinweg enthält gleich die 100 Yen Touristenabgabe für den Erhalt der Infrastruktur.

Auf dem Weg von der Fähre zum Schrein traf ich auf ein paar bekannte Gesichter. Ich hatte zwar schon vorher gelesen, dass es auf Miyajima eine Population von Sika Hirschen gibt, es aber komplett vergessen bis mein Blick auf mehrere Hirsche fiel, die es sich im Schatten eines Baumes gemütlich gemacht hatten.
Ähnlich wie in Nara, sind diese Tiere die Nähe mit dem Menschen gewöhnt und sind ebenso neugierig und gelegentlich frech, wenn man etwas in der Hand hält.
Im Unterschied zu Nara hat diese Population jedoch nie das Verbeugen übernommen.
Damit wäre auch der Titel des heutigen Tages erklärt.

Nach ein paar Fotos des Torii Gates bei beinahe Ebbe (mehrere Websites meinten übereinstimmend, dass Ebbe heute für 10:37 erwartet war. Das Schild ums Eck mit den Gezeiten-Zeiten und damit die Tatsache, dass Ebbe erst um 11:12 erreicht war, sah ich leider erst auf dem Rückweg. Lektion des Tages: Im Zweifel wissen es die Einheimischen genauer als das Internet.

Um die Zeit bis zur Flut um 16:30 zu überbrücken machte ich mich auf den Weg zum Miyajima Rope Way. zwei Seilbahnen zu einer Aussichtsplattform nahe dem höchsten Gipfel der Insel, Mount Misen. Seilbahn eins ist eine Umlaufgondelbahn für 6-8 Personen.
Anders, als bei den bei uns gewohnten Gondeln und Sesselliften, die zwar vom Hauptseil getrennt werden aber für das Ein- und Aussteigen permanent in Bewegung sind, kommen die Gondeln hier komplett zum Stillstand und erst, wenn die Türe geschlossen ist verbindet sich die Seilbahn wieder mit dem Hauptseil und gleitet aus der Station.

In der Mittelstation heißt es dann Aussteigen und in eine Pendelbahn umsteigen (also zwei große Gondeln, die zwischen den Stationen hin und her fahren). Danach findet man sich auf der Bergstation (Shishiiwa Station), wobei ich an dieser Stelle überzogene Erwartungen angesichts des Wortes Bergstation korrigieren möchte.
Shishiiwa Station befindet sich auf 433 Metern über dem Meer.

Von hier aus laden mehrere Wegweiser und Infotafeln zu einer kurzen Wanderung zum Gipfel Mount Misen auf etwa 535 Meter Seehöhe ein.
Die Zeit ist mit 30 Minuten angegeben (man sieht erst auf dem Gipfel auf einer anderen Infotafel, dass sich die 30 Minuten aus dem Durchschnitt von 40 Minuten für den Aufstieg und 20 Minuten für den Abstieg ergibt.

Etwa nach 2/3 des Weges erreicht man Reikado, einen Tempel in dessen Halle das unlöschbare Feuer brennt, ein Holzfeuer, das von 1200 Jahren von dem bekannten Mönch Kukai entzündet wurde und seither durchgehend brennt. Über dem Feuer hängt ein Topf in dem Wasser kocht. Dieses Wasser gilt als heilig und ihm werden zahlreiche positive und heilende Eigenschaften nachgesagt.
Weiteres Detail zum Feuer, eine Flamme dieses unlöschbaren Feuers wurde verwendet um die Ewige Flamme im Peace Memorial Park zu entzünden, auf dass sie nicht ausgehen möge bis alle Atomwaffen der Welt vernichtet wurden.

Viele Stufen und einen steilen Aufstieg später erreicht man dann das Mount Misen Obervatory, eine Aussichtsplattform auf dem Gipfel. Von hier hat mein eine 360 Grad Aussicht über die Bucht von Hiroshima und, in der Ferne, Hiroshima selbst.

Da es, außer der Aussicht und einer Entscheidung, ob man zurück zur Seilbahn gehen oder doch direkt den ganzen Weg absteigen will, gibt es auf dem Gipfel nicht viel zu tun. Daher ging es zurück zur Seilbahn.

In der Talstation angekommen bot sich mir ein deutlich anderer Anblick als bei meiner Bergfahrt. Als ich am Vormittag bei der Talstation ankam konnte ich ohne Wartezeit direkt zum Ticketautomaten gehen und mich dann fünf Minuten in der Warteschlange einreihen bis ich Platz in einer Gondle fand.
Am Nachmittag reichte die Warteschlange fast bis hinunter zur Bushaltestelle des Shuttle-Busses und deren Ende war sehr nahe einem Schild mit der Aufschrift "Wartezeit an dieser Stelle 60 Minuten".

Nach einer kurzen Stärkung mit etwas Street-Food ging es nochmals zum Itsukushima Schrein um nochmal ein Foto des Torii Gates zu machen. Bis 16:30 hat mein Ausflug leider nicht gedauert aber um 15:00 war die Basis des Tores schon gut unter Wasser.
Ich entschied mich nicht bis zur Flut zu warten, in der Hoffnung dem großen Aufbruch von der Insel ans Festland zuvorzukommen, mit Erfolg.
Die Fähre war zwar gut gefüllt aber ich ging als letzter ohne Wartezeit an Bord und wir legten sofort ab.

Da beide Fährgesellschaften mit jeder Überfahrt mehrere hundert Leute in Miyajimaguchi abluden, die zum größten Teil Richtung Bahnhof gingen entschied ich mich gegen einen überfüllten Zug, sehr wahrscheinlich mit Stehplatz und für eine 50-minütige Straßenbahnfahrt (10 Minuten fallen weg, weil mein Hotel nahe der Straßenbahn drei Haltestellen vor dem Bahnhof Hiroshima liegt), mit Sitzplatz für die gesamte Strecke.

Den restlichen Spätnachmittag verbrachte ich mit entspannen und die gestern gewaschene Wäsche zusammenzulegen.