Tag 16 - Ich bin reif, reif, reif, reif für die Insel

Tag 16 - Ich bin reif, reif, reif, reif für die Insel

Moment, das gehört noch näher spezifiziert. Immerhin bin ich auf einer Insel und fahr auf eine andere Insel.
Konkret geht es heute von Honshu, der größten der japanischen Inseln, auf die drittgrößte Insel, Kyushu.
Ungefähr halb so groß wie Bayern hat Kyushu aber fast so viele Einwohner wie Bayern.

Bevor es aber zum Bahnhof Hiroshima ging entschied ich mich noch zu einem kurzfristigen Besuch des Hirosima Aqua Museum (auch bekannt unter dem Namen Hiroshima Aquarium).
Die Idee war etwas Zeit zu überbrücken, um nach der Zugfahrt gleich in Fukuoka im Hotel einchecken zu können.

Das Aquarium ist überschaubar und belegt ungefähr den halben 6. Stock (angeschrieben als 7F weil Japan, wie die USA, das Erdgeschoss als 1 zählen und von dort weiter nummerieren) eines Einkaufszentrums zwischen dem Hiroshima Peace Park und dem Hiroshima Stadion.
Eine Besonderheit des Aquariums (was es vermutlich auch zum Aqua Museum macht) ist die künstlerische Gestaltung der Ausstellungsräume.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel, um das hinterlegte Gepäck zu holen (wenn ich mir dadurch 600 Yen für eine Schließfach sparen kann, gerne) ging es zum Bahnhof.

Der heutige Zug, Nozomi 23, gefahren mit der aktuell modernsten Shinkansen-Baureihe N700S, brachte mich in einer Stunde in das etwa 250 km entfernte Fukuoka, zum Bahnhof Hakata.
Ich hab aus Neugier kurz nachgeschaut, warum Fukuoka gegen den Strom schwimmt und den Shinkansenbahnhof nicht Fukuoka oder Shin-Fukuoka nennt.
Kurzfassung: Fukuoka (von Samurai geführt) und Hakata (von Kaufläuten geführt) waren früher zwei Orte an den gegenüberliegenden Ufern eines Flusses.
Bei einer Verwaltungsreform 1889 wurde entschieden eine größere Stadt aus der Gegend zu machen. Um den Namen der neuen Stadt wurde heftig gestritten. Als Kompromiss wurde schließlich festgelegt, dass die Stadt den Namen Fukuoka, der Hauptbahnhof und der Hafen aber den Namen Hakata tragen sollen.
Diese wurde dann auch bei der Verlängerung der Sanyo-Shinkansen Strecke nach Kyushu 1975 beibehalten.

Die notwendigen Tickets für Hakata-Nagasaki-Hakata, Suica Card for Scale

Sonst gibt es heute nicht viel zu berichten, außer, dass ich einen neuen, persönlichen, Rekord für Ticket-Bündel aufgestellt habe.
Nach meiner Ankunft in Hakata holte ich die reservierten Tickets für die Weiterfahrt nach Nagasaki ab. 10 Streifen Papier (der Fairness halber muss man die zwei Zahlungsbelege abziehen, bleiben noch 8 Stück Papier).
Der Hintergrund dazu ist, dass es nach Nagasaki keine durchgehende Bahnverbindung gibt.
Von Nagasaki bis Takeo-Onsen (etwas mehr als die Hälfte der Strecke) fährt der Nishi-Kyushu-Shinkansen (Übersetzt, der West-Kyushu-Shinkansen).
Von Takeo-Onsen bis Hakata fährt dann ein Limited Express auf der Schmalspur-Trasse weiter.
Dieses Zug-Paar nennt sich Kamome (der Shinkansen-Teil) und Relay-Kamome (der Limited Express). Beide Züge sind aufeinander abgestimmt und in beide Richtungen wartet der zweite Zug jeweils am Bahnsteig auf den ersten Zug. Dann gehen alle Passagiere gerade über den Bahnsteig und steigen in den zweiten Zug ein (das sind bei vollbesetzten Zügen 400 Passagiere, die in drei Minuten umsteigen).

Die Anzahl der Tickets ergibt sich jetzt aus zwei Basisstrecken-Tickets für Hakata-Nagasaki und zurück, jeweils einem Super bzw. Limited Express Ticket für den Hinweg und einem Super und zwei Limited Express Ticket für den Rückweg, da zu meiner gewünschten Zeit kein durchgehender Zug von Takeo-Onsen nach Hakata verfügbar war.

Die Tatsache, dass es ein Stapel Papiertickets ist liegt daran, dass der Nishi-Kyushu Shinkansen nicht an das JR West Reservierungssystem SmartEX angebunden ist. Sonst könnte ich die Tickets einfach mit meiner Suica Card verknüpfen und ohne Papier auskommen.

Ich hab mir auch den Ablauf für die Rückfahrt von der AI zusammenfassen lassen. Stellt sich heraus, der größte Ticket-Stapel, den man gewöhnlich in ein Ticket-Gate stecken kann besteht aus fünf Tickets, die ich für die Weiterfahrt aber alle wieder zurückbekomme.
Beim zweiten Umsteigen ist ebenfalls ein Ticket-Gate beteiligt, das ebenfalls fünf Tickets entgegennimmt aber drei von den Tickets behält.
Am Ende, in Hakata "schluckt" das letzte Ticket-Gate beim Verlassen des Bahnhofes die restlichen zwei Tickets. Ein herrlich komplizierter Ablauf, der aber für 2,5 Millionen Passagiere pro Jahr funktioniert.

Das ganze Prozedere würde sich vermeiden lassen, wenn die Strecke zwischen Takeo-Onsen und Hakata als Shinkansen-Strecke ausgebaut werden würde.
Dafür gibt es aber keine Finanzierung und politischen Willen, da die Präfektur, die den Großteil der Strecke finanzieren müsste der Meinung ist, nicht ausreichend davon zu profitieren und, für die eigene Bevölkerung, über eine ausreichend gute Anbindung an Hakata verfügt.

Damit genug für heute.