Tag 17 - Der Tanz auf dem Vulkan
Dazu kommen wir etwas später.
Eine ganze Insel mit der Größe von Halb-Bayern in einem Tag besichtigen zu wollen ist ein unmögliches Unterfangen. Daher muss ich meinen heutigen Plan etwas präzisieren. Einmal von Norden (Hakata) nach Süden (Kagoshima) und dabei zwei Orte besuchen.
Das klingt deutlich machbarer. Also rein in den Shinkansen, und los gehts.


JR Kyushu und Nintendo haben gerade eine Partnerschaft. Ein paar Züge auf unterschiedlichen Strecken tragen Super Mario Lackierungen. Ich konnte bisher noch mit keinem davor fahren aber in Kumamoto, auf dem übernächsten Gleis fur dieser Schinkansen vorbei.
Erster Halt des heutigen Tages, etwa 100 km südlich von Fukuoka gelegen, ist Kumamoto. Für den Namen gibt es zwei Interpretationen, da das Wort Kuma, je nach verwendetem Kanji, entweder Kurve/Biegung oder Bär heißen kann. Moto bezeichnet den Beginn oder die Herkunft von etwas.
Die erste Bedeutung des Namens war "Herkunft der Kurve/Biegung", da die Stadt an der Biegung eines Flusses entstand.
An dieser Stelle Grüße nach Linz, dessen Name auf das Keltische Wort Lentos zurück geht, was ebenfalls Biegung bedeutet, im Falle von Linz die Biegung der Donau durch Linz. Laut Wikipedia gibt es aber leider keine Städtepartnerschaft zwischen Linz und Kumamoto.
Die zweite Bedeutung des Namens wurde von den Samurai gewählt um beeindruckender zu klingen. "Herkunft des Bären" klingt durchaus gut.
Zentraler Anziehungspunkt in Kumamoto ist Kumamoto Castle, eine beeindruckende Burg, die auf das 15. und 16. Jahrhundert zurückgeht.
Obwohl der mächtige Hauptturm der Burg eine Stahl-Beton Rekonstruktion aus den 1960er Jahren ist (der originale Turm brannte nach einer Belagerung 1877 nieder), zählt Kumamoto Castle zu den drei bedeutsamen Burgen Japans (three premier castles of Japan). Neben Kumamoto sind das noch Himeji (kommt mir bekannt vor) und Matsumoto.
Die Befestigungen und Wohngebäude, die den Turm umgeben sind alle original erhalten. Aufgrund der häufigen Erdbeben bedarf es aber häufiger Reparatur- und Renovierungs-Arbeiten, um die Burg zu erhalten.
Seit dem letzten größeren Erdbeben 2016, bei dem mehrere Gebäude beschädigt wurden, laufen mehrere Bauprojekte und die beschädigten Bereiche zu reparieren und weitere Schäden zu verhindern.
Das Innere der Hauptturmes erzählt auf sechs Etagen die Geschichte des Schlosses und der unterschiedlichen Epochen, die es durchlebte. Leider ist das meiste nur auf Japanisch angeschrieben.
Nach einer Tour durch den Schlossturm und etwas Zeit innerhalb der Befestigungsanlage, ging es zurück zum Bahnhof und weiter, 180 km Richtung Süden nach Kagoshima.
In einer großen Bucht am südlichen Ende von Kyushu gelegen, liegt Kagoshima, eine Stadt mit knapp 600.000 Einwohnern.
Bekannt ist Kagoshima für ein Naturphänomen, das den Alltag der Bewohner manchmal etwas unvorhersehbar und beschwerlich macht.
Sakurajima, übersetzt die Insel der Kirschblüte ist eine Halbinsel, vulkanischen Ursprungs in der Bucht von Kagoshima.
An dieser Stelle gilt es, den Widerspruch im Namen und der Beschreibung (also Insel versus Halbinsel) aufzulösen.
Einfach, Sakurajima ist nicht nur der Name der Insel/Halbinsel, sondern auch des Vulkans, der die Insel vor vielen Jahrtausenden geformt hat.
Im Jahr 1914 sorgte eine enorme Eruption dafür, die Insel Sakurajima mit dem Festland, auf der Kagoshima gegenüberliegenden Seite der Bucht, verband.
Sakurajima ist bis heute aktiv und ist der aktivste Vulkan Japans und auch einer der aktivesten der Welt.
Kleinere Explosionen finden im Schnitt 1000 Mal pro Jahr. Dampf, Rauch und Asche treten fast permanent aus den Kratern aus.
Große Eruptionen, wie jene von 1914 passieren alle paar Jahrzehnte bis etwa ein Mal im Jahrhundert.
Trotz dieser Unberechenbarkeit wohnen auf Sakurajima mehrere tausend Einwohner. Damit das nicht zwangsläufig in einer Katastrophe endet sind mehrere Maßnahmen in Kraft, um eine rasche Evakuierung aller Bewohner zu ermöglichen.
Rund um die Insel sind 19 Evakuierungshäfen eingerichtet. Einer davon ist der Haupt-Fährhafen von Sakurajima. Die anderen sind gut befestigte Anlegestellen mit massiven Bunker-Unterständen, die vor herabfallenden Felsen und vulkanischen Bomben (ja das ist der offizielle Begriff dafür) schützen.
Im Falle einer Evakuierung werden alle verfügbaren Fähren, die Küstenwache und eingeschulte Bootskapitäne mobilisiert, um ihnen zugewiesene Evakuierungshäfen anzusteuern.
Das soll es allen Bewohnern ermöglichen zu einem Hafen zu gelangen, auch wenn Lava-Ströme Sraßen unterbrechen.
Um schnell eine Evakuierung ausrufen zu können ist der Vulkan unter permanenter Beobachtung, sowohl was seismische, als auch vulkanische Aktivität angeht.
Daraus wird Gefahren-Skala ermittelt, die das Risiko für die Bewohner angibt und Verhaltensregeln vorgibt.
Diese Skala war es auch, die mich etwas verunsicherte ob ich Sakurajima wirklich einen Besuch abstatten sollte. Aktuell steht die Risiko-Skala bei 3 von 5 mit der Bezeichnung (Nicht dem Vulkan nähern). Darüber gibt es dann noch Stufe 4 (ältere und gebrechliche Personen evakuieren) und Stufe 5 (Evakuierung aller Bewohner).
Zu Stufe 3 gab es dann aber noch eine erweiterte Beschreibung, die mir etwas mehr Sicherheit gab, grob zusammengefasst mit das Alltagsleben auf der Insel läuft normal, Nachrichten und Alarme beobachten, Zutritt zum Berg (etwa 3-4 km rund um die Krater, zu steil für Straßen, da hin kommt man nur zu Fuß) ist verboten.
Zur Vollständigkeit, Stufe 2 der Skala heißt Nicht dem Krater nähern und Stufe 1 ist Potential für Aktivität, derzeit aber keine besonderen Maßnahmen notwendig.
Nach der Überfahrt auf die Insel zeigte sich, dass das alltägliche Leben wirklich normal lief. Die Fähre war am späten Nachmittag gut gefüllt und die Touristen-Busse fuhren nach ihrem normalen Fahrplan.
An der Stelle bemerkte ich, dass ich mit meinem Timing großes Glück hatte. Ich kam um kurz vor 16:00 auf Sakurajima an und erwischte noch den vorletzten Bus zur Aussichtsplattform.
Den letzten Bus zu nehmen und dort auszusteigen ist wenig ratsam, da man danach entweder ein Taxi rufen oder 7 km zu Fuß gehen muss, um zurück zur Fähre zu gelangen.
Letztere erzeugt weniger Stress. Bis 18:00 fährt die Fähre im 20 Minuten Takt, danach halbstündlich bis etwa 23:00 Uhr.
Nach einem kurzen Aufenthalt bei der Aussichtsplattform, begleitet von extrem lästigen Mücken (zum Glück nichts, was sticht) ging es zurück zur Fähre, zurück zum Bahnhof und zurück nach Hakata.
Um auf den Titel zurückzukommen. Es war weniger ein Tanz und mehr zwei Bussfahrten und etwas herumspazieren.
Morgen geht es weiter in das vorletzte Hotel und den letzten Ort mit Programm auf dieser Reise.