Tag 18 - Staffellauf auf Schiene
Zuerst noch ein Nachtrag zu gestern. Einen Fakt über die Region rund um den Sakurajima habe ich vergessen.
Da der Vulkan fast permanent Asche spuckt und diese vom Wind über mehrere Kilometer verteilt wird, kämpf die Region mit einer besonderen Art der Verschmutzung.

Straßen und öffentliche Bereiche werden regelmäßig von den öffentlichen Stellen gereinigt. Die Bewohner kämpfen auf ihren Grundstücken aber mit den gleichen Problemen. Aus diesem Grund gibt es, zusätzlich zur normalen Müllabfuhr, Asche-Säcke, die an die Bevölkerung verteilt werden und, mit Asche gefüllt an Abholstellen abgeladen werden können.

Damit weiter zum heutigen Tag. Titelgebend für heute ist die, bereits gestern erwähnte Zug-Paarung, Relay-Kamome, die mich von Hakata nach Nagasaki gebracht hat.
Dazu ein paar Worte über meine Erfahrungen. Man merkt, dass Hiroshima für die meisten 2-3 Wochen Urlaube der Endpunkt ist.
Seit Hakata sind die englischen Übersetzungen spärlicher geworden. Die heutige Zugfahrt ist ein gutes Beispiel dafür.
Seit der Landung in Tokio wurde ich darauf konditioniert an Bahnsteigen die passenden Markierungen zu finden, die hinweisen, wo mein Waggon zu stehen kommen wird.
Das passiert entweder durch Aufschriften am Boden mit dem Zugnamen und der Wagennumer oder der der Zug hat auf der Anzeigetafel neben der Zugnummer einen Kreis, ein Dreieck, Viereck oder andere Figuren stehen. Diese haben wiederum dazu passende Markierungen mit der Wagennummer am Boden.
Der Bahnsteig für den Relay-Kamome in Hakata hat nur allgemeine Markierungne mit "Hier wird eine Waggon-Türe zum Stehen kommen, bitte eine Schlange bilden" aber keine weiteren Infos, welche Wagennummer dort stehen wird.
Was es gibt sind "Boarding-Position" Tafeln die Überkopf montiert sind. Die zeigen aber nur den Namen des Zuges an.
Details dazu gibt möglicherweise die Anzeigetafel mit den Abfahrtszeiten. Möglicherweise sage ich an dieser Stelle, weil nur der Zug-Name und der Ziel-Bahnhof übersetzt sind, Die Details in der Laufschrift darunter sind ausschließlich japanisch, enthalten aber einige Zahlen (z.b. 2,3,4,5, was theoretisch zu einem Zug mit sechs Wagen passen würde und 13-17, was wiederum mit den Boarding-Positionen zusammen passen könnte).
Das Handy kann an der Stelle leider auch nicht weiterhelfen, da diese Anzeigetafeln in der Kamera extrem flackern und unlesbar sind.
Zum Glück ist Hakata für diesen Zug der Anfangs-Bahnhof und er hat daher ein paar Minuten länger Aufenthalt als die 2-3 Minuten entlang der Strecke.
Für die Zukunft, anders als Gemini und ChatGPT übereinstimmend meinten, befindet sich Wagen 1 am Nagasaki-Ende des Zuges und Wagen 8 am Hakata-Ende.
Genug gejammert.
Nagasaki ist in mehrerlei Hinsicht historisch bedeutsam. 1945 erlangte Nagasaki, nach Hiroshima, traurige Berühmtheit als Ziel der zweiten und bisher letzten in eine Krieg eingesetzten Atombombe.
Zwischen 1636 und 1853 war der abgeschottete Handelshafen von Dejima der einzige Ort in Japan wo europäische Händler, konkret die Niederlande Handel betreiben konnten.
Hintergrund dazu war ein steigendes Misstrauen gegenüber christlichen Einflüssen ab 1600. Dies führte dann zu einer Abschottung des Landes (Sakoku) gegenüber äußeren Einflüssen und einer völligen Verbannung von spanischen und portugiesischen Händlern (der Katholischen Kirche wurde die aggressivste Missionarstätigkeit nachgesagt).
Die Niederländer wurden als Protestanten zwar ebenfalls kritisch betrachtete, durch ihre Loyalität zum Shogun während mehrerer Rebellionen in dieser Zeit und der Beteuerung nur am Handeln und nicht an Religion interessiert zu sein, sicherten sie sich das Monopol des europäischen Handels mit Japan.

Gehandelt wurden dabei aber nicht ausschließlich Güter. Eine Bedingung für das Handelsmonopol waren Berichte an den Shogun über weltpolitische Vorkommnisse, Diplomatie und andere relevante Einblicke. Dejima wurde damit zu einem Fenster in die Welt.
Aber auch für Gelehrte, Aristokraten und reiche Bürger wurde Dejima interessant, denn auch der Handel mit Informationen und Büchern blühte auf und so entstand Rangaku, (übersetzt Dutch-Studies oder Hollandstudien). Dieser Begriff beschreibt das Ansammeln und Erlernen von Wissen, das an Bord niederländischer Schiffe nach Japan kam.

Ab 1853 verlor Dejima an Bedeutung, da die USA eine Öffnung des Landes für internationalen Handel erzwangen. Viele Gebäude wurden aufgegeben und dem Verfall überlassen bis die Stadt Nagasaki 1956 begann einzelne Gebäude zu kaufen und, in mehreren Abschnitten, die alten Gebäude zu renovieren und zerstörte Gebäude zu rekonstruieren.

Ein Fakt, der sich nicht ohne massive Einschnitte in die Stadtplanung wiederherstellen lässt ist, dass Dejima ursprünglich eine künstlich angelegte Insel war, auf der zur Stadt gewandten Seite durch einen Fluss getrennt und mit einer streng bewachten Brücke verbunden (Japaner durften Dejima betreten aber die Niederländer duften die Brücke nicht überqueren). Auf der anderen Seite waren das Meer und die Anlegestellen für die niederländischen Schiffe.
Nach 1853 wurde aber zusätzlich künstlich Land geschaffen, was dazu führte, dass Dejima heute ein paar hundert Meter vom Meer entfernt ist und, dass es mit dem Festland verbunden wurde.

Nach diesem Ausflug in die Geschichte des 17. bis 19. Jahrhundert ging es ins Hotel zum Check-In und entspannen.