Tag 4 - Das war also Tokio

Vorwort: Fotos kommen noch. Ich war erst um 22:30 im Hotel, das Schreiben dauert seine Zeit und ich muss morgen pünktlich einen Zug erwischen.

Zumindest für die nächsten zwei Tage. Dann aber nur für eine Nacht und mit nur einem Programmpunkt der heute wetterbedingt ausfiel.

Realistisch betrachtet war es das aber mit Tokio für diese Reise. Heißt das, dass ich nochmal herkommen möchte? Möglich bis Wahrscheinlich. Es gibt noch mehr als genug zu entdecken (ja es war so geplant, dass der erste Besuch eine Highlight Tour wird) und ich hab von mehreren Freunden und Kollegen gehört, dass sie gerne zum ersten/zweiten/dritten Mal nach Japan reisen wollen. Vielleicht ergibt sich was.

Damit zum heutigen Tag. Tag vier war etwas improvisiert. Ich hatte zwar schon eingeplant einen Tagesausflug zu machen aber noch keine Entscheidung getroffen wo es hin gehen würde.

Nach kurzer Recherche und einer sehr eindringlichen Meinungsäußerung von Poe fiel der Entschluss auf Enoshima.
Vorweg, falls die Frage aufkommt, was Poes Beitrag hierbei war das hier (Youtube Clips lassen sich leider nicht so einfach einbinden wie ganze Videos).

Eine mögliche Verbindung um nach Enoshima zu kommen ist die Shonan Monorail. An der Stelle ist leider wieder etwas Pedanterie von Nöten.
Aus technischer Sicht gibt es nur eine Schiene für den Zug aber der korrekte Begriff für dieses Transportmittel lautet Suspended Monorail, es handelt sich also um eine Hänge-Bahn (ähnlich wie die Schwebebahn in Wuppertal).

Damit unterscheidet sich die Shonan Monorail in ihrer Art von der Tokyo Monorail (eine Schiene in der Mitte und Luftreifen die oben auf der Schiene und an den Seiten laufen).

Fun Fact, falls sich beruflich oder privat eine Reise nach Düsseldorf, Dortmund oder Köln ergeben hätte, hätte ich fix einen Ausflug nach Wuppertal eingeplant nur um mit der Schwebebahn zu fahren.
Würd ich wahrscheinlich immer noch machen. Es ist lustig zu sehen wie die Bahn in Kurven durch die Fliehkraft nach außen gedrückt wird. Und damit zu fahren ist deutlich leiser als die Pendlerzüge und U-Bahnen Tokios.
Gewöhnungsbedürftig ist nur, dass man im Stadtgebiet ungefähr auf der Höhe des zweiten Obergeschosses sehr knapp an Häusern vorbeifährt.

Um wieder zum geplanten Programm zurückzukommen, Enoshima ist eine kleine Insel vor der Küste der Präfektur Kanagawa. Sagt so jetzt nicht viel aus als Beschreibung.
Probieren wir es anders, Meer, Strand, Wellen und ein Aussichtsturm, die Enoshima Sea Candle.
Es ist also gut nachvollziehbar, dass Enoshima und die Region auch sehr viele einheimische Besucher zählt.

Von der Endhaltestelle der Monorail, sowie den anderen Bahnhöfen (ja mehr als einer, private Bahnlinien müssen nicht mit der Konkurrenz kooperieren, wenn sie nicht wollen) gelangt man über eine 600 Meter lange Brücke auf die Insel und steht dann vor einer Wahl. Entweder zu komplett zu Fuß aufsteigen, 254 Stufen in Kauf nehmen und etwa 20-25 Minuten bergaufgehen oder 500 Yen zahlen und die Rolltreppen nutzen, die einen Großteil der Stufen und Gehwege (aber nicht alles) umgeht. Aber wo bleibt bei einer Rolltreppe bitte der Spaß.

Diese Einstellung ist mit auch ein Grund, warum heute zwar laut Plan der ruhigste Tag war aber ich mit 22.000 Schritten den gestrigen Höchstwert deutlich übertroffen habe.

Der rest lässt sich mit rauf auf den Turm, Aussicht genießen und Fotos machen, wieder runter vom Turm, ein Erfrischungsgetränk genießen und ab zum Bahnhof zusammenfassen.
Es gäbe zwar noch einiges auf der Insel zu entdecken aber das hätte mehr Treppen und Gehen mit sich gebracht als durch den Rückweg ohnehin unumgänglich war.

Für den Rückweg entschied ich mich für eine alternative Route über die Enoden Line, einer niedlichen, einspurigen, extrem fotogenen Schmalspurbahn die 1902 fertiggestellt und trotzdem erstaunlich gut mit modernem Massentourismus zurecht kommt, zumindest in der Nebensaison (es kann durchaus sein, dass es zu den Hauptreisezeiten anders aussieht).

Die Bahn schlängelt sich von Enoshima durch das Siedlungsgebiet, vorbei an Sträuchern, und Bäumen, die bis auf wenige Zentimeter an den Zug heranreichen ohne ihn (hörbar) zu berühren. Das wechselt sich ab mit Strecken wo die Bahn zwischen Felsen und einer Straße auf der einen Seite und dem Meer auf der anderen Seite verläuft.

Einer dieser Abschnitte an der Küste ist auch äußerst beliebt für Fotos.

Quelle: https://japantravelsights.com/archives/633

Etwas oberhalb dieser Eisenbahnkreuzung wurde eine eigene Fotostelle eingerichtet um zu verhindern, dass der Verkehr von Möchtegern-Papparazi gestört wird.
Zusätzlicher Mehrwert an dieser Stelle, links hinter dem Felsen beginnt eine Haltestelle und die Züge fahren in beide Richtungen entsprechend langsam und die Schrankenanlage kündigt an, wenn ein Zug kommt.

Ziel dieser Bahnfahrt war die Endhaltestelle in Kamakura, aber ein lohnenswerter Zwischenstopp hat sich noch ergeben.

Drei Stationen von Kamakura befindet sich die Haltestelle Hase (ich mach die Namen nicht, ich schreib sie nur hier auf). In der Nähe dieser Haltestelle befindet sich der Kotoku-in, eine sitzende Buddha Figur aus Bronze, etwa 13 Meter hoch, 121 Tonnen schwer und ehr beständig oder spirituell geschützt.

Die Statue wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Seither riss ein Tsunami das ursprüngliche Tempelgebäude in dem Sich die Statue befand weg und auch mehrere Erdbeben konnten der Statue nichts anhaben.
Aus Sicherheitsgründen wurde aber im 19. Jahrhundert der Nacken verstärkt um Schäden durch zukünftige Erdbeben vorzubeugen.

Bei der Recherche für die Statue hab ich dann auch gesehen, dass es ebenfalls fast neben der Haltestelle einen weiteren faszinierenden Tempel gegeben hätte.

Aber es war schon gut nach 15:00 Uhr und in Tokio würde bald die Abend-Rush-Hour einsetzen. Das ist auch der Grund warum sich in Kamakura leider kein Aufenthalt ausging.

Kamakura ist eine sehr traditionelle Stadt und hat ihre eigene geschichtliche Periode in Japans Geschichte, die Kamakura Zeit oder Periode (1185-1333) in der die Stadt das Machtzentrum Japans war.

Stattdessen ging es zurück nach Tokio, diesmal aber zur Tokyo Station, dem Fernverkehrsknoten der Stadt. Diverse Reservierungs-Systeme haben mir die letzten Tage E-Mails zukommen lasse, dass ich meine reservierten Tickets abzuholen habe.

Für die meisten Fälle heißt das einfach zu einem Bahnhof der JR-Gesellschaften zu schauen, einen QR-Code zu scannen und dann ein bis zwei Tickets ausgedruckt zu bekommen.
Durch die Aufteilung in unterschiedliche Gesellschaften ergab sich bisher aber das Problem, dass man teilweise Tickets über die Systeme einer anderen JR Gesellschaft reservieren konnte (in meinem Fall über das Buchungssystem von JR East, da das einzige war, das meine Kreditkarten akzeptieren wollte), die Ticketautomaten aber von einer anderen Gesellschaft sind (für Tokio JR Central, die mit JR West kooperieren).
Daher muss man die Reservierung beim JR East Service Center abholen oder, wie ich heute herausfand bei einem der drei Automaten neben dem Service Center, die anscheinend an alle Buchungssysteme angebunden sind, nicht nur das eigene der Gesellschaft.

Dieser ganze Aufwand war aber nur für drei Tickets notwendig, die sonst häufig schon ausverkauft sind, bevor man vor Ort buchen kann.
Sonst gilt, wenn es nicht gerade ein Feiertag oder Wochenende ist bekommt man für den selben Tag auf den meisten Strecken ausreichend Tickets (die Shinkansen fahren z.B. zu Spitzenzeiten im 10 Minuten Rhythmus und im Schnitt alle 15-30 Minuten).

An der Stelle noch mal kurz Nerd-Alarm. Ich finde es beeindruckend, dass die Ticket-Schranken, die den Zutritt zu Bahnsteigen anhand von gekauften Tickets oder anderen Zahlungsmitteln erlauben.
Für Tokio ist besonders beeindruckend, dass die Schranken innerhalb einer Sekunde zwei Tickets die gleichzeitig eingelegt werden von einander trennt, die Daten darauf ausliest, eine Entscheidung trifft ob das Ticket für diesen Bahnsteig gültig ist und am Ende eines der beiden Tickets auf der anderen Seite der Schranke wieder ausgibt.
All das während man zwei Schritte durch die Schranke geht.

Zur Ergänzung, zwei Tickets benötigt man für spezielle Schnellzüge (Limited Express) oder Hochgeschwindigkeitszüge (Super Limited Express, besser bekannt als Shinkansen), eines für die Basis-Gebühr für die Strecke und eines für den Aufschlag, dass man das Privileg eines schnelleren zuges nutzen darf.
Eines der beiden Tickets bekommt man wieder zurück, da man am Zielbahnhof ebefalls wieder die Schranke durchqueren muss und auch für den Weg nach außen ein Ticket notwendig ist.
Letzteres gilt auch für normale Züge, wenn man mit Papiertickets unterwegs ist. Hier hat man aber nur ein Ticket und der Ablauf innerhalb der Ticketschranke ist etwas einfacher.

OK, genug Nerd-Wissen für heute.
Nach den Tickets ging es ins Hotel um kurz zu duschen und dann nach kurzer Rast das geplante Abendprogramm in Angriff zu nehmen.
Das erste Ziel des Ausfluges war das Tokyo Metropolitan Government Building (Nr. 1, wenn man genau sein will, es gibt daneben ein zweites). Dieses steht in Shinjuku. So gut es gestern lief, heute hat mich das Labyrinth namens Shinjuku Station auf dem falschen Fuß erwischt.
Einen Großteil der Schuld gebe ich aber Google Maps. "SCHÖN, DASS DU MIR SAGST, DASS ICH ZUM AUSGANG KEIO DEPARTMENT STORE GEHEN SOLL. ICH WEIẞ NATÜRLICH BEI WELCHER DER ZEHN TICKETSCHRANKEN DIESER AUSGANG LIEGT".

Sorry dafür. Zum Hintergrund, Innerhalb der Ticketschranken sind keine Ausgänge angeschrieben sondern nur die Ticket-Schranken selbst. Das nennt sich dann West-Gate, East-Gate, Central-Gate, Central-West, Central-East, North, Soth, New-South,...
Der Haken ist jetzt aber, man kommt innerhalb des Bahnhofes nicht von jedem Gate zu jedem Ausgang.
Im besten Fall geht man ein paar hundert Meter extra innerhalb des Bahnhofes und kommt dann dort hin wo man will.
Im schlimmsten Fall steht man auf der anderen Seite einer mehrspurigen Schnellstraße, die nächste Möglichkeit die schnell zu überqueren ein gutes Stücke entfernt und am steht dann ein Umweg von 1-2 km (das ist der Extremfall aber keine Übertreibung).

Schlussendlich erreichte ich dann nach langem Fußmarsch (ca. 500m für Umwege und den richtigen weg zu finden und dann noch knapp 1km vom Bahnhof zum Verwaltungsgebäude).

Grund für diese Odyssee (ok, das war übertrieben) Tokyo Night & Light, eine Lichtshow, die Video auf die Fassade des Gebäudes projiziert und am Vorplatz über Lautsprecher Musik und Klänge dazu abspielt.
Zwischen 19:00 und 21:00 findet alle 30 Minuten eine ca. 15 minütige Show mit wechselnden Clips statt.

Zwischenzeitlich hatte leider starker Regen eingesetzt was mich dazu veranlasste zurück ins Hotel zu fahren und den letzten Punkt des Tages auf übermorgen zu verschieben. Wenn das Wetter dann passt gibts mehr dazu, sonst Pech gehabt.