Tag 5 - Der Berg ruft
Bevor das heutige Programm startet kurz noch etwas Dampf ablassen. Ich war bei meinen Lobpreisungen der technischen Fähigkeiten der lokalen Ticketschranken kurz versucht einen Seitenhieb auf den Münzeinwurf bei Getränke- und anderen Automaten zu tätigen.
Es stellt sich heraus, die hier so häufig vertretenen Getränkeautomaten leiden häufig an der gleichen Krankheit.
Bahnhof Shinjuku. Ich möchte eine Dose Kaffee kaufen und mit Münzen zahlen, weil bei ich bei den letzten Tripps zum Konbini ein paar Mal in Bar bezahlt und damit eine ordentliche Menge Münzen angesammelt hatte.
Zwei Automaten probiert, zwei Mal kein Glück. Der dritte Automat war dann Cashless, also nur digitale Bezahlung möglich.
Auf der anderen Seite Glück gehabt, ich hatte genau 10 100 Yen Stücke und das Gepäcksschließfach in Kawaguchiko wollte genau 1000 Yen haben und akzeptiert nur 100 Yen Münzen.
Aber genug der Tiraden, Abschweifungen und Vorgriffe. Tag fünf begann mit dem Verlust meines Koffers. Bevor sich jemand Sorgen macht, das war beabsichtigt.
Mein großer Reisekoffer nimmt nämlich für ein paar Tage eine andere Route wie ich.
Das System dahinter nennt sich offiziell Takuhaibin, ist aber bekannter unter dem Namen Ta-Q-Bin (oder Takkyubin). Letzterer ist aber offiziell ein Markenname, der aber mittlerweile als Gattungsname verwendet wird, ähnlich wie Tixo.

Das Bequeme an der Sache, man gibt seinen Koffer oder ein Paket beim Büro eines Ta-Q-Bin Unternehmens oder bei einem Convenience Store, oder mit etwas Glück einfach bei der Hotelrezeption ab, füllt ein Formular mit dem Bestimmungsort (für mich das Hotel in Kyoto) und dem gewünschten Zustelldatum aus und zahlt eine Gebühr.
Wenn alles wie geplant funktioniert sollte mein Koffer in ein paar Tagen in Kyoto auf mich warten.
Bis dahin dürfte er aber wohl ein paar Tage in einem Depot nahe dem Flughafen Haneda übernachten (zumindest befindet er sich aktuell laut Tracker dort).
Damit ab nach Shinjuku, nur mehr mit Rucksack und einem kleinen Handgepäck. Auf Anhieb auf den richtigen Bahnsteig. Mein kleines Kaffee-Ärgernis überstanden. Und hinein in den Zug.

Ich kann mir nicht helfen aber fast alle japanischen Züge kommen ein zwei möglichen Sorten, hoch modern oder historisch.
Der heutige Zug, Kaiji/Fuji Excursion 15 brachte mich in knapp unter zwei Stunden vom Herzen Tokios nach Fujikawaguchiko. Der Doppelname des Zuges kommt daher, dass er unterwegs geteilt wird und die beiden Teile dann zu unterschiedlichen Zielen fahren.
Weil ich selbst auch kurz verwirrt war, hier ein kurzer Exkurs zum Namen. Die Ortsnamen Kawaguchiko und Fujikawaguchiko werden gelegentlich beide Verwendet um den gleichen Ort zu Beschreiben. Der lokale Bahnhof heißt Kawaguchiko.
Der See, an dem der Ort liegt heißt ebenfalls Kawaguchiko und wird international häufig Lake Kawaguchi bezeichnet (die -ko Endung bezeichnet im Japanischen einen See).
Zusammengefasst kommt das daher, dass Kawaguchiko früher ein Ort war, der 2003 mit anderen Orten zusammengelegt wurde um die Stadt Fujikawaguchiko zu gründen.
Der Star der Region verbirgt sich schon im Ortsnamen. Mount Fuji, alias Fijiyama, alias Fujisan (die letzten beiden sind an sich das gleiche Wort und werden in Kanji auch gleich geschrieben, es gibt nur zwei Aussprachen für das Wort für Berg, yama/san).
3776 Meter hoch, ein aktiver aber derzeit ruhender Vulkan der die Landschaft dominiert. Da die Distanz zum Gipfel jetzt nur mehr gut 20 km groß ist sind auch sämtliche Sichtbehinderungen durch Dunst vom Tisch. Zusätzlich hat sich der gestrige Regen komplett aufgelöst und es lacht wieder die Sonne.
In Fujikawaguchiko angekommen hieß es erst mal Gepäck verstauen (wie schon zuvor darauf angespielt, ein Automat, der mit 10 und nur genau 10 Münzen gefüttert werden will).
Zum Glück hatte ich genau 10, sonst hätte ich mein gefundenes freies Schließfach aufgeben müssen um Geld zu wechseln.
An der Stelle wieder ein Hinweis. Fujikawaguchiko, die gesamte Fuji Five Lakes Region und der Nationalpark, in dem sich neben den Seen auch noch Hakone befindet, ist eine der größten Tagesausflugs-Destinationen in Japan.
Das hat sich im Vorhinein schon bemerkbar gemacht, dass meine gewünschten Züge zum frühestmöglichen Buchungsdatum nicht mehr verfügbar waren (geplant war mit einem Zug früher hinzufahren und mit zwei Zügen später zurück). Das war aber nicht weiter tragisch. Die Züge verkehren in der Früh und am Abend im 30-Minutne Takt was mich in Summe nur 1,5 Stunden meines zweitägigen Ausfluges kostet.
Die beiden Züge, die ich dann buchen konnte waren heute bis auf den letzten Platz ausverkauft und am Bahnsteig wies ein großes Schild darauf hin, dass für den gesamten Tag keine Tickets mehr verfügbar waren.
Zur Vollständigkeit, es gibt andere Möglichkeiten von Tokio nach Fujikawaguchiko zu kommen aber die sind entweder langsamer oder weniger bequem.
Weiterer Nebeneffekt des starken Tagestourismus, Der Bahnhof wurde mit fünf Containern erweitert die Reihe für Reihe nur Schließfächer enthalten und selbst das reicht zu Spitzenzeiten nicht aus. Daher kann man in Fujikawaguchiko keine 50 Meter gehen ohne ein Schild mit der Aufschrift "Coin Locker" zu finden.
Punkt eins in Fujikawaguchiko, ab aufs Wasser. Wenn es einen See gibt auf dem auch Ausflugsschiffe fahren kann ich fast nicht aus.
Die Runde war mit 20 Minuten eher kurz aber bei umgerechnet sechs Euro beschwer ich mich nicht groß.
Nach einer Runde über den See ging es mit der Seilbahn hinauf auf eine Aussichtsplattform. Nach ein paar Runden zum Fotografieren und eine Kare Pan (übersetzt Curry Brot, Teig gefüllt mit japanischem Curry, in Brösel gewendet und dann frittiert) zur Stärkung ging es wieder zurück Richtung Bahnhof.
Theoretisch wäre sich ein weiterer Programmpunkt noch ausgegangen aber ich entschied mich um 15:30, dass das eine gute Zeit für einen Check-In im Hotel war um heute wirklich einen entspannteren Tag einzulegen.
Soweit der Beitrag für heu...
Poe, falsche Seite, der Berg auf der anderen Seite des Gebäudes! Ich zahl nicht 20 Euro für die Nacht extra nur um Blick auf Mount Fuji und die Bahnlinie zu haben, die uns hergebracht hat.

Nachtrag: Nach dem Abendessen schaute ich noch kurz bei einem Getränkeautomaten im Hotel vorbei und hatte wieder Probleme mit manchen Münzen. Nach einer schnellen Nachfrage bei dem AI Overloard meiner Wahl stellte sich heraus, dass Münzgeld und Verkaufsautomaten hier mitunter Feinde sein können.
Am Beispiel der 500 Yen Münze: Mir fiel auf, dass ich zwei unterschiedliche 500 Yen Münzen in der Geldasche hatte. Eine waren einfärbig, zwei andere waren Bimetall (ähnlich wie unsere 1 und 2 € Münzen).
Die zweifärbigen Münzen wurden vom Automat abgelehnt während die einfärbige zum gewünschten Ergebnis führte.
Die zweifärbigen Münzen wurden 2021 als neue Generation der 500 Yen Münze eingeführt. Durch die geänderten Metalle hat sich die Leitfähigkeit der Münzen verändert.
Das dafür notwendige Update der Sensoren fehlt aber bei geschätzt 50% aller Automaten im Land da die Betreiber (häufig kleine Firmen oder sogar Einzelpersonen) gesetzlich nicht dazu verpflichtet werden können Ihre Automaten aktuell zu halten.
Meine Misere in Shinjuku erklärt das aber leider nicht, da ich da mit 100 und 10 Yen Münzen hantierte.
Randnotiz zu beheizten Toilettensitzen. Das ist ein großartiges Feature. Wenn man es aber aktiviert, vor allem bei öffentlichen Toiletten wo man die Einstellung nicht selbst ändern kann, sollte unbedingt bei der Installation oder Wartung darauf geachtet werden, dass die Intensität nicht auf "gegrillte Backen" eingestellt ist.