Tag 7 - Choo Choo

Tag 7 - Choo Choo
Wie gestern kurz angedeutet, der Shinkansen Bahnsteig liegt höher als jener der Lokalbahn rechts, da die Shinkansentrasse oberhalb der Lokalbahnen aus Tokio rausführt.

Heute heißt es wirklich Abschied nehmen von Tokyo. Wenn alles nach Plan läuft komme ich nur auf dem Rückweg noch einmal bis Shinagawa aber nicht mehr ins Stadtzentrum selbst.

Für alle, die sich mit Shinkansen oder Reisen in Japan befasst haben stellt sich angesichts dieses Fotos vermutlich die Frage "Was ist das bitte für ein Tokaido Shinkansen?". Für alle die sich angesichts des letzten Satzes jetzt "Bitte, was?" fragen, Die schnellste Route von Tokio nach Kyoto ist der Tokaido Shinkansen, die erste Shinkansen Linie die 1964 fertiggestellt wurde. Den Namen nimmt die Linie von einer historischen Straße zwischen Tokio und Kyoto den viele Adelige und Beamte früherer Jahrhunderte häufig gehen mussten.
Grund dafür war den damaligen Machtverhältnissen geschuldet. Die offizielle Hauptstadt des Reiches und Kaisersitz war Kyoto aber die de-facto Kontrolle über das Land hatte der Shogun, ein Militärführer, der zwischen dem 12. Jahrhundert und 1867 in mehreren Shogunaten (grob beschrieben ein Shogunat ist die Herrschaft eines Klans) regierten.

Trotz eingeschränkter Handlungs- und Regierungsmacht konnte der Kaiser aber z.B. Berichterstattung oder anderes verlangen, was die Anwesenheit in Kyoto erforderlich machte.

An dieser Stelle sei jetzt erwähnt, dass die Tokaido Straße 514 Kilometer lang ist und Reisende zwischen 12 Tagen (der Idealfall für einfache Reisende) bis hin zu 15 Tagen (z.B. für Adelige, die die Reise mit ihrem gesamten Haushalt als Prozession absolvierten).

Heute dauert die gleiche Reise 2 Stunden, 11 Minuten, dank dieser technischen Wunderwerke.

By MaedaAkihiko - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=124162475By MaedaAkihiko - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=124162475

Und damit zurück zur vorigen Verwirrung. Der Shinkansen im Titelbild ist Zug des Hokuriku-Shinkansen, einer Bahnlinie, die (noch) nicht direkt nach Kyoto fährt. Stattdessen führt der Weg nördlich aus Tokio raus nach Nagano, wo Hermann Maiers Welt auf den Kopf gestellt wurde und er trotzdem gewann was ging (falls diese Referenz keine Erinnerungen wachruft, einfach bei Google Bildersuche "Hermann Maier Nagano" eingeben) und durch die Berge nach Kanazawa weiter nach Tsuruga.
Von dort wechselt man in den Thunderbird Limited Express (cooler Name) nach Kyoto.

Fahrzeit ohne meine Unterbrechung in Kanazawa, ca. 4,5 Stunden. Warum man das macht? Weil es ein etwas ausgefallenerer Weg ist, weil ich Züge mag und weil der Hokuriku-Shinkansen einer jener Linien ist, die ich bei dieser Reise nutzen kann, die etwas bietet, was der Tokaido-Sanjo-Kyushu-Shinkansen nicht hat.

Von 黄金のひばりたち - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32320613Von 黄金のひばりたち - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32320613

Kommt mit Mini-Bento-Box und inkludiert Gertänke (ich würde es ja als Freigetränke bezeichnen aber ich hab auch dafür mit dem Ticketpreis bezahlt).

Das ist mal ein prächtiges Eingangstor für einen Bahnhof

Vor der Weiterreise von Kanazawa nach Tsuruga wurde es dann kurzzeitig etwas gruselig. Eine meiner Reise-Apps für Touristen begann nämlich folgende Benachrichtigungen auszuspucken.

Die Nachrichten um 13:20 habe ich nicht mitbekommen, weil ich gerade zu Fuß unterwegs war. die 14:54 Nachrichten kamen aber als ich am Bahnsteig das Hand in der Hand hatte.

Vorweg, es ist alles in Ordnung und ich hab nichts gespürt aber ein Blick in die englischsprachigen Nachrichten in Japan zeigt, dass es zu diesen zweiten zwei Erdbeben der Magnitude 5.0 (Seismische Intensität ist eine Skala, die in Japan verwendet wird und etwas anders funktioniert) knapp 40 km entfernt gab.

Außer, dass ein Shinkansen mit fünf Minuten Verspätung hatte (in Japan nennt sich sowas "Severe Delay" also "Schwerwiegende Verspätung") gab es auch keine merklichen Auswirkungen im Zugverkehr.

Damit ging die Reise ungestört weiter nach Kyoto wo, ich jetzt diese Zeilen schreibe.