Tag 8 - Das ist eine komische Art Tokyo zu schreiben
Es ist zwar, glaub ich, relativ offensichtlich aber der Titel ist eine Anspielung auf den Fakt, dass Kyoto und Tokyo (in der englischen Schreibweise) sind Anagramme, bestehen also aus den gleichen Buchstaben,
Der erste Tag in Kyoto bestand primär aus Tempelhüpfen und Gras. Letzteres besprechen wir später, mit ersterem meine ich nicht das Kinderspiel, sondern das Besuchen mehrerer Tempel.
Vorweg, die Auswahl hat kein echtes Muster per se, sondern fasst einfach ein paar schöne Tempelanlagen zusammen, die geschickt lagen.
Erstes Ziel war der Nanzen-ji. Ursprünglich gegründet im Jahr 1291, stammt die heutige Iteration aus dem Jahr 1597, da der Tempel mehreren Feuern zum Opfer fiel.
Hervorstechendes Merkmal des Tempels ist sein Haupttor (in japanisch Sanmon genannt).
Die Haupthalle des Tempels war zu dieser Zeit nicht zugänglich, da gerade eine Zeremonie stattfand.
Nach ein paar Runden durch die Anlage ging es weiter zum Ginkaku-ji, einer Tempelanlage aus dem späten 15. und 16. Jahrhundert. Der Tempel wurde 1994 in die Liste der UNESCO Weltkuturerbe aufgenommen.
Auf dem Weg zu den letzten beiden Zielen hatte ich noch die Idee in Gion, dem historischen Geisha Viertel, vorbeizuschauen. Da alle Busse dorthin aber Warteschlangen hatten, die jeweils mehrere Busse gefüllt hätten, bevor ich einsteigen hätte können, wurde Gion auf morgen verschoben. Hoffentlich ist Montag weniger los als Sonntag.
An dieser Stelle ein kurzer Themensprung. Mir ist bewusst, dass alle Schulen in Japan Schuluniformen verwenden. Entsprechend ist es unter der Woche auch nicht außergewöhnlich in der Früh oder am Nachmittag/Abend Schüler auf dem Schulweg zu sehen.
Was dann doch aus meiner Sicht unerwartet kam, war, an jedem Tempel mehrere Schulklassen vollständig in Uniform auf Schulausflügen zu sehen. Zur Erinnerung, heute ist Sonntag.
Vom Osten Kyotos ging es als nächstes in den Westen zum Kinkaku-ji. Diese Tempelanlage ist besonders bekannt für die Goldene Pagode. Das würde auch die Übersetzung des Namens "Der Tempel der Goldenen Pagode" erklären.
Wikipedia hebt an dieser Stelle die Tatsache hervor, dass die Pagode mit 5 Mikrometern Blattgold vergoldet ist.
Die aktuelle Version der Pagode geht zurück auf das Jahr 1955, nachdem die alte Pagode durch ein gelegtes Feuer zerstört wurde.
Als Abschluss des Tages ging es noch weiter Richtung Westen zum Arashiama Bambus Wald. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Bambuswald (zugegeben für mich sieht er eher nach einer Plantage aus, was aber daran liegt, dass die Bambus-Bereiche abgezäunt wurden, um das Eindringen von Touristen zu verhindern).

Damit sind wir auch beim Gras angelangt. Bambus, obwohl ältere Stämme nach Holz aussehen, gehört zur Gruppe der Gräser. Nur, dass dieses Gras mehrere Meter hoch wächst und stabil genug ist, um Bauwerke und Baugerüste daraus zu fertigen.
An dieser Stelle ein kurzes Beispiel für "die Schilder werden schon einen Grund haben, auch wenn ich ihn gerade nicht sehe".
Als ich im Bambuswald nach der schnellsten Möglichkeit zurück zum Hotel zu kommen suchte fand ich einen kleinen Widerspruch. Alle Wegweiser in der Gegend zeigten zum JR-Bahnhof Saga-Arashiyama mit einer Gehzeit von 15 Minuten.
Google Maps zeigte mir 5 Minuten entfernt den Bahnhof Torokko Station der Sagaro Scenic Railway in die entgegengesetzte Richtung, die eine direkte Anbindung zum zuvor genannten JR Bahnhof hat.
Was mir Google Maps an der Stelle nicht verriet war, dass an diesem Bahnhof bereits mehrere hundert Personen warteten und die nächsten vier Züge bereits ausverkauft waren.
Da ich mich entschied zum Bahnhof Torokko Station zu schauen hieß es nach der Erkenntnis, dass ich auf absehbare keinen Platz bekommen würde, 20 Minuten zurück zum JR Bahnhof zu gehen, da dies der beste Rückweg war (ein 80€ Taxi lassen wir an dieser Stelle mal außen vor).
Daher ging es nach 20 Minuten Fußmarsch zurück nach Kyoto, zurück zum Hotel. Nach insgesamt 24.000 Schritten für diesen Tag, ein neuer Höchstwert für diesen Urlaub.
Notiz am Rande: Mein Fitness Traker bringt bei Inaktivität regelmäßig "Zeit für Bewegung" Meldungen, die im Schnitt 100-200 Schritte brauchen, um bestätigt zu werden. Das Hotel in Kyoto ist so groß, dass der Weg von meinem Hotelzimmer zum Aufzug mehr als ausreicht, um den Bewegungs-Alarm zu löschen.