Tag 9 - Wahoo
Vorweg: Da das vermutlich in den internationalen Schlagzeilen landet, es gab ein starkes Seebeben vor der Nordküste Honshus und Hokkaidos. Daraufhin wurde für die nördliche Hälfte Honshus Tsunami Warnung ausgerufen.Tokio und südlich davon (und damit auch ich in Kyoto) hat nichts davon gespürt und ist nicht von der Warnung betroffen.
Die Warnung wurde eine Stunde nach dem Beben wieder aufgehoben und an einzelnen Messstationen wurden Wellen mit etwa einem Meter über dem Normalwert gemessen.
Tag 9 begann mit einem Spaziergang im Park des historischen Kaiserpalastes in Kyoto. Da letzterer an Montagen geschlossen ist waren auch keine Touristenmassen im Park unterwegs und man hat den 1,3 km langen und 700 Meter breiten Park fast für sich.
Ich behaupte jetzt einfach, dass das so geplant war und nicht an mangelnder Recherche der Öffnungszeiten lag.
Danach ging es weiter zum Kiyomizu-dera, einer weitläufigen Tempelanlage im Osten Kyotos, die vor allem für ihre große Haupthalle und Terrasse bekannt ist, auf einer enormen Holzkonstruktion an einen Hang gebaut wurde.
Dort herrschte auch kein Mangel an Touristen.

Wenn man allerdings von Touristenmassen in Kyoto redet gibt es einen spirituellen Ort, der alle anderen in den Schatten stellt. Fushimi Inari-Taisha. Wenn wir den Namen zerlegen bekommen wir folgende Informationen. Fushimi ist ein Ward, also eine Verwaltungseinheit innerhalb der Stadt Kyoto, wo sich der Schrein befindet.
Inari ist eine japanische Gottheit (Kami) für Reis und Landwirtschaft sowie, später ergänzt, Handwerk und geschäftlichen Erfolg.
Taisha gibt an, dass es sich um einen Hauptschrein oder ein zentrales Heiligtum handelt. In diesem Fall ist Fushima Inari-Taisha der Haupt-Schrein für die Gottheit Inari und ihm untergeordnet sind insgesamt ca. 30.000 Inari-Schreine in Japan.

Abgesehen davon, dass es sich um den Haupt-Schrein für eine wichtige Gottheit des Shintoismus handelt hat Fushimi Inari eine andere Besonderheit, die den Schrein weithin bekannt macht, Senbon Torii. Das lässt sich mit 1.000 Torii übersetzen. Wie der Name also vermuten lässt, finden sich auf dem Hügel namens Mount Inari über 10.000 Torii. Ist doch logisch, oder nicht?
Zweiter Versuch, etwa 800 Torii bilden den Senbon Torii Tunnel, also dicht an dicht gestellte Torii, die einen durchgehenden Tunnel bilden. Nein, so kommen wir auch nicht auf 1000.

Der Grund, warum in Fushimi und in andere Inari-Schreinen so viele Torii errichtet wurden und werden liegt in der obigen Aufzählung, wofür Inari Schutzpatron ist. Firmen spenden die Errichtung von Torii in unterschiedlichen Größen um für geschäftlichen Erfolg zu bitten. Die aufgestellten Torii werden mit dem Namen des Spenders und dem Errichtungsdatum graviert.
Die Kosten sind für Firmenspender überschaubar. Kleine Torii mit einer Höhe von 2,2 Metern gibt es ab ca. 1500€, die größten Torii, die an zentralen Stellen platziert werden kosten dagegen um die 10.000€ und sind dann etwa 4,5 Meter hoch.
Nach einer ausgiebigen Runde über den Hügel ging es zurück zum Zug und kurz ins Hotel um mich für den letzten Termin des Tages frisch zu machen. Das heutige titelgebende Event war ein Besuch im Nintendo-Museum (daher Wahoo, einer der Ausrufe von Mario).
Das Museum wurde in einem alten Werk in Uji, einer Stadt etwa so groß wie Linz südlich von Kyoto gelegen, errichtet. Das Werk trägt den Namen Ogura-Werk (nach dem Stadtteil in dem es liegt) um es vom später errichteten Uji-Werk unterscheiden zu können.
Nintendo-Ogura produzierte bis zwischen 1969 und 2011 in der Prä-Spielekonsolen Zeit diverse Spielzeuge und Spielkarten. Darüber hinaus diente es ab 1989 als Reparatur-Zenturm für Nintendo Konsolen und Gameboys.

2011 wurde das Werk stillgelegt und 2024 wurde das Nintendo-Museum eröffnet.
Das Museum teilt sich in zwei Hauptbereiche. Im ersten Stock ist die Ausstellung. Dort findet man Spielekonsolen, Zubehör und Spiele zu allen Konsolen die Nintendo jemals veröffentlicht hat. Zusätzlich sind unzählige Exponate aus der Spielekarten- und Spielsachen-Zeit von 1889 bis in die 1980er Jahre ausgestellt.
Fotos kann ich dazu leider keine liefern, da in diesem Teil des Museum ein komplettes Foto und Film Verbot herrscht.
Im Erdgeschoss findet sich dann der interaktive Teil wo man eine weite Sammlung an Spielen ausprobieren kann, solange man virtuelle Münzen auf seinem Ticket übrig hat (10 bekommt man beim Eintritt und Spiele kosten, je nach Beliebtheit, zwischen einer und vier Münzen).

Nachdem die Münzen aufgebraucht waren (Nintendo Zapper geht mit vier Münzen ordentlich ins Geld aber ist es definitiv wert und die ursprüngliche Technologie aus den 1990er Jahren ist absolut faszinierend)
Danach entschied ich mich ins Hotel zurückzufahren. Den auf heute verschobenen Ausflug nach Gion habe ich kurzfristig abgesagt. Die Hauptstraße bin ich auf dem Weg zu anderen Sehenswürdigkeiten schon zwei Mal entlang gegangen und den Reiz durch irgendwelche Seitenstraßen zu strawanzen versteh ich einfach nicht.

Damit bleibt mir hier jetzt nur mehr die Koffer zu packen und mir anzuschauen mit welchem Zug ich morgen am besten fahre. Shinkansen macht keinen Sinn. Die Strecke ist auch mit normalen Express-Zügen in 30-45 Minuten erledigt, es kostet unnötig mehr und ich würde in Shin-Osaka ankommen, nicht in Osaka.
